Christian Sievers – Grauzonen

Gern möchte ich euch das Buch Grauzonen von Christian Sievers empfehlen, sicherlich vielen bekannt als Nachrichtenmoderator des ZDF. Es sind viele spannende Einblicke in die Welt der Nachrichten, die auch zeigen, wie schwierig es ist, unter dem Druck sich überstürzender Ereignisse journalistisch korrekt zu berichten.

Zum ersten mal hörte ich von Christian Sievers in Tel Aviv, das muss 2012 gewesen sein, als ich eine Schulfreundin besuchte, die dort beim ZDF als Cutterin arbeitete. Und Christian war der Chef, Nahost-Korrespondent des Zweiten Deutschen Fernsehens. Und eins ist sicher, er sah Sabine öfter in jener Novemberwoche, da Israel und Gaza die internationalen Schlagzeilen dominierten, und auch wir Besucher während eines Raketenalarms im Schutzraum der Wohnung warteten, bis uns der Explosionsknall der Abfangrakete erlöste.

Und so war es für mich ein bekannter Name, der dann wenig später von Tel Aviv nach Mainz in die Nachrichtenzentrale wechselte.

Sein Buch ist anekdotisch aufgebaut, das Steckenbleiben im Fahrstuhl in Gaza, der Palast eines reichen Palestinänsers mit byzantinischer Kirche im Keller, Begegnungen mit Menschen in Zypern, dieser schon viele Jahrzehnte geteilten Insel, der Bürgerkrieg in Syrien, die Flüchtlingskrise, Donald Trump, Lügenpresse – und immer wieder die Menschen hinter den Nachrichten.

Vor allem wird eins klar – wie schwierig das Berichten sein kann. 2011 an der Grenze zu Syrien offenbart sich immer mehr, dass die Regierung mit Gewalt gegen Demonstranten vorgeht, Augenzeugen berichten von Toten, Misshandlungen. Aber keine Bilder. Da bietet jemand, der aus Syrien herauskam, Videomaterial von Folterungen an. Und es erscheint auf den ersten Blick glaubhaft, wird gesendet. Doch später stellt sich heraus, dass das Material gar nicht in Syrien entstand.

Und so wird auch deutlich, wie viel Aufwand benötigt wird, um all die Videos und Bilder zu überprüfen, die das Team vor Ort nicht selbst produziert hat. Im Grunde ist das die große Herausforderung, täglich zu unterscheiden, was Fälschung ist und was nicht. Und so stark man die öffentlich-rechtlichen Anstalten auch kritisieren mag (wie viel kosten die Fußballrechte nochmal?) – beim Thema Nachrichten sind sie die erste Wahl.