Schiffbau Zürich

Schiffbau. Das klingt wuchtig, riesige Hallen stellt man sich vor, in die auch größere Schiffe komplett hinein passen. Und das soll jetzt also eine Theaterspielstätte sein? Erinnerungen werden wach ans Dresdner TIF (Theater in der Fabrik), Raum für experimentelle Stücke von Nachwuchsregisseuren. Nur selten war ich dort, es war mir dann meist doch zu experimentell. Obwohl ich fast nebenan wohnte.

Der Schiffbau in Zürich präsentiert sich da schon ganz anders. In der riesigen ehemaligen Montagehalle tummeln sich ein Jazzclub (moods), ein Restaurant mit Bar und eben drei Theaterbühnen, welche am Staatsschauspiel Zürich mit dranhängen. Eine riesige Schiffsschraube vor dem Eingang erinnert an die industrielle Vergangenheit.

Innen ist es angenehm warm, was in diesen kalten Dezembertagen keine Selbstverständlichkeit ist. Auch sonst macht das Innere einen gemütlichen Eindruck, soweit das eben geht mit all den Stahlträgern, Heizungsrohren und gigantischen Stellventilen in rot und blau. Boden und Decke sind mit Holz verkleidet, die Bartische hielt ich zuerst für eine Ausstellung, da Exponate verschiedenster Art (aufgespießte Schmetterlinge, Tierschädel, alte Spielzeugpuppen, Fächer) von unten mit grellweißem Licht beleuchtet werden, von oben durch eine Glasscheibe vor neugierigen Kinderhänden geschützt. Das sind also die Tische im großen Lounge-Bereich, wenn man daneben steht, wird man auch vom grellen Licht beschienen.

Die Dame an der Kasse ist freundlich. Sie rät zu Last-Minute-Tickets, welche 20 Franken kosten und 10 Minuten vor Vorstellungsbeginn zu erwerben sind. Anscheinend sind die Stücke nicht alle ausverkauft. Im Zuschauerraum dann überall deutsche Stimmen. Auch die Bühnensprache ist Hochdeutsch, glasklar. Eine andere Welt.