Mathias Wellner

Macbeth-Aufführung im Schlosshotel Kronberg

Schlussapplaus für eine gelungene Vorstellung von Macbeth

Eine der nobleren Adressen in Kronberg ist das Schlosshotel mit Park und Golfplatz ringsum. Dort gastierte die American Drama Group Europe mit “Macbeth”, mit nur sechs Schauspielern stellten sie den Shakespeare-Klassiker auf die Beine.

Schlosshotel Kornberg

Von unserem Hotel in Oberursel wählte ich meine Beine als Verkehrsmittel, um ins ca. fünf Kilometer entfernte Kronberg zu gelangen. Das Schlosshotel befindet sich im Norden von Kronberg, eine ÖPNV-Haltestelle sucht man da vergeblich. Die Gäste reisen standesgemäß mit ihren schicken Flitzern an und genießen einen Aufenthalt im Schlösschen. Ich kam da mit meinen knallroten Wanderhosen an und wurde auf der Terrasse höflich an einen kleinen Tisch verwiesen, damit ich nicht allein eine Sitzgruppe beanspruche.

Schlosshotel Kronberg

Das Theaterstück fand dann vor der Terrasse statt, mehrere Hundert Plastikstühle standen bereit für die vielen Besucher. Tickets wurden nicht kontrolliert, man konnte da auch von mehreren Richtungen Zutritt erlangen. Zum Zeitpunkt des Beginns waren die Zuschauerplätze dann auch im Schatten und ein älterer Schauspieler trat auf die Bühne für die Begrüßung.

Aufführung

Die Bühne war in bester Wandertheater-Tradition schlicht gehalten. Links ein Mauerstück, rechts ein Mauerstück, in der Mitte ein Thron, der aber auch umgedreht werden konnte, um ihn verschwinden zu lassen. Im Hintergrund eine Wand mit Blättern, die dann auch einen guten Wald abgibt. Das Stück spielt an verschiedenen Orten, die sich mit diesen Elementen ohne große Umbauten gut darstellen lassen.

Grandios waren die sechs Schauspielerinnen und Schauspieler, die jeder verschiedene Rollen verkörperten. Eben noch eine wild springende Hexe, in der nächsten Szene Lady Macbeth, die ihren etwas zögerlich Gemahl klarmacht, was sie von ihm erwartet. Obwohl das Stück in englischer Sprache dargeboten wurde, konnte man gut folgen. Ich selbst kannte es ohnehin schon gut, aber auch mein Begleiter verstand die Handlung zum allergrößten Teil. Ein paar schöne altenglische Sprachwitze gehen natürlich unter, dafür muss man schon selbst lesen und nachschlagen.

Handlung von Shakespeares Macbeth

Macbeth ist ein siegreicher Feldherr und erhält auf seinem Heimritt zum König von drei Schicksals-Schwestern (Hexen) eine Prophezeiung, sie begrüßen ihn als Fürst von Glamis (was er schon ist), Fürst von Cawdor und Bald König. Erst glaubt er ihnen nicht so recht, aber gleich darauf überbringen Boten ihm die frohe Kunde, dass er zum Dank für seine Heldentaten auf dem Schlachtfeld zum Fürst von Cawdor ernannt wird. Nun ist Macbeth doch überzeugt, dass da was dran sein muss und berichtet seiner Frau von der Prophezeiung. Der König Duncan empfängt Macbeth, dankt ihm und besucht ihn auf seinem Schloss.

Lady Macbeth empfängt ihn und fordert ihn auf, den König zu ermorden, um die Prophezeiung Wirklichkeit werden zu lassen. Macbeth zögert, aber seine Frau wirft ihm Schwäche und fehlende Männlichkeit vor, so dass er sich dann doch entschließt, die grauenvolle Tat auszuführen. Die Wachsoldaten werden mit Wein schläftig gemacht, so dass Macbeth leichtes Spiel hat und den König umbringt. Daraufhin lenkt Lady Macbeth den Verdacht auf die schlafenden Wachsoldaten, die Messer in die Hände gedrückt bekommen und blutverschmiert aufgefunden werden am nächsten Morgen. Macbeth erschlägt sie sodann, angeblich in großer Wut über den Tod des Königs, und wird zum neuen König gekrönt.

Aber das Glück währt nicht lange. Da sein Freund Banquo zuviel weiß und die drei Schicksalsschwestern prohezeiten, dass Banquos Nachkommen Könige werden sollen, lässt Macbeth ihn ermorden. Bei einem Festgelage erscheint Macbeth der Geist von Banquo, er verliert die Kontrolle und das Bankett muss abgebrochen werden.

In einer zweiten Prophezeiung erfragt Macbeth die Zukunft seines angeschlagenen Königtums. In drei Erscheinungen wird ihm wiederum sein Schicksal vorhergesagt.

  1. Er soll sich vor Macduff in Acht nehmen.
  2. Kein Mensch, der von einer Frau geboren wurde, könne ihm schaden.
  3. Es sei nichts zu befürchten, bis der Wald von Birnam nach Dunsinane (Burg von Macbeth) kommt.

Damit ist Macbeth beruhigt, da sich das alles sehr unwahrscheinlich anhört. Daheim verliert Lady Macbeth zunehmend den Verstand, sie phantasiert, sieht Blut und nimmt sich schließlich das Leben. Macbeth hat dazu nicht viel zu sagen, er ist schon ziemlich hoffnungslos.

In England sammeln sich nun die Widersacher und erhalten eine englische Armee zur Verstärkung. Damit ziehen sie vor Dunsinane, tarnen sich aber mit Ästen und Zweigen. Somit trifft die erste Prophezeiung zu, da sich der Wald scheinbar zur Burg bewegt. Macduff fordert Macbeth zum Duell, es stellt sich dabei heraus, dass er per Kaiserschnitt geboren wurde und Macbeth wird von ihm erschlagen.

Mit der Krönung von Duncans Sohn Malcolm ist die alte Ordnung wiederhergestellt.

Fazit

Ich fand es gut gespielt und fühlte mich hervorragend unterhalten. Der Text war gut gekürzt und auf das Wesentliche reduziert. Es ist immer wieder schön, wie da auf der Bühne eine andere Welt entsteht, Konflikte ausbrechen, furchtbare Taten geplant und durchgeführt werden.

Die American Drama Group zieht weiter und führt Macbeth im Rahmen der Castle Tour 2026 in zahlreichen Orten auf. Schaut gerne vorbei, wenn sie in eurer Nähe sind.