Südfriedhof Leipzig
Bei einer privaten Führung mit Alfred E. Otto Paul erkundeten wir ausgewählte Grabmäler des Leipziger Südfriedhofs. Der Friedhof wurde relativ spät (1886) eröffnet, seine Lage und Größe spiegeln das rasante Wachstum Leipzigs im 19. Jahrhundert. Als Friedhöfe dienten im Mittelalter die Gottesäcker rund um die Kirchen, später wurden etwas außerhalb größere Friedhöfe angelegt. In Leipzig ist der Alte Johannisfriedhof ein Beispiel dafür, der dann aber auch zu klein wurde und 1846 durch den Neuen Johannisfriedhof abgelöst wurde. Doch auch hier war durch die wachsende Stadtbevölkerung schon bald zu wenig Platz, so dass der Südfriedhof geplant und angelegt wurde.
Bei der Führung spielten hauptsächlich die riesigen Grabanlagen reicher Leipziger Industrieller eine Rolle, es gibt einiges zu entdecken. Denn wer Geld und Ruhm zu Lebzeiten anhäuft, möchte auch mit seiner letzten Ruhestätte herausstechen. Und dabei sieht man die immensen unterirdischen Anlagen gar nicht, die teilweise mehr Grundfläche besitzen als unsere Wohnungen jetzt. Ein bizarrer Wettstreit um Quadratmeter im Jenseits. Derweil sind oberirdisch Grabmale zu bewundern, welche zumeist die Verstorbenen im jugendlichen Alter zeigen, das Jenseits betreten sie im körperlichen Idealzustand.

Und auch heute noch gibt es viele reichte Menschen in Leipzig, die ihr Vermögen in eine ausgedehnte letzte Ruhestätte investieren, ein relativ frisches Grab konnten wir begutachten. Da kann und möchte ich nicht mithalten, meine Knochen müssen nicht jahrzehntelang in einer Gruft liegen.