Mathias Wellner

Christopher Nolan – Die Odyssee

Filmplakat zu Christopher Nolans Odyssee

Gestern besuchte ich den meistdiskutierten Film dieses Jahres – Die Odysse von Christopher Nolan. Ein paar Gedanken dazu möchte ich teilen.

Zuallererst ist es natürlich ein opulenter Film und tolle Kinounterhaltung. Ich war gebannt und mitgerissen von den Kampfszenen, dem Zyklopen in der Höhle, den Stürmen und Meeresungeheuern, aber auch von den zutiefst menschlichen Themen des Heimkehrens und Wiedererkennens.

Die ultimative Hundegeschichte

Eine Inspiration für Chrisopher Nolan war sein adoptierter Hund. Diese Erfahrung bestärkte ihn darin, sich mit der Odyssee zu beschäftigen, denn der treue Jagdhund Argos spielt darin eine wichtige Rolle. Odysseus hatte ihn als Welpen aufgenommen und viel Zeit mit ihm verbracht. Während der langen Abwesenheit seines Herrchens wird Argos ein sehr alter Hund, der einzig dafür noch lebt, Odysseus zurückkehren zu sehen. Die Freier am Hof von Ithaka verbannen Argos auf einen Misthaufen vor dem Palast.

Als Odysseus, verkleidet als Bettler, mit seinem Sohn Telemachos am Eingang des Palasts an Argos vorbei kommt, winselt Argos und wedelt mit dem Schwanz, er hat sein Herrchen erkannt. Gleich darauf stirbt er. Nun erkennt auch Telemachos, dass sein Vater heimgekehrt ist. Es ist ein bewegender Moment im Film.

Kriegstrauma und Zeus Gesetz

Die vielleicht gravierendste Umdeutung des antiken Stoffes besteht darin, dass Odysseus zwar mit dem Trojanischen Pferd die zündende Idee hatte, um die Stadt zu bezwingen, aber dann angesichts der Grausamkeiten seiner Kameraden den Glauben an die Menschheit verliert. Durch die Kriegslist und die Schändung der Tempel in Troja verstießen die Griechen gegen alle Regeln der Zivilisation, insbesondere Xenia, die hielige Pflicht zur Gastfreundschaft. Denn die verpflichtet nicht nur die Gastgeber zur Verpflegung von Fremden, die ja auch verkleidete Götter sein könnten, sondern auch die Gäste, sich gut zu verhalten und die Gastfreundschaft nicht zu missbrauchen.

Das Ende der Bronzezeit

Odysseus sieht die Erstürmung Trojas als Epochenbruch, als Ende seiner Zivilisation, bzw. der Bronzezeit. Es ist natürlich etwas unsinnig, dass ein Mensch aus dieser Epoche den erst 1836 eingeführten Begriff verwendet, aber für den Film ist es eine wichtige Aussage. Denn diese Periode war durch eine hoch entwickelte Zivilisation im Mittelmeerraum mit vielfältigen Handelsbeziehungen geprägt. Ungefähr zur Zeit der Odyssee begann der Zusammenbruch der Bronzezeit durch verschiedene Auslöser, einer davon waren die ominösen Seevölker, die im Film erähnt werden.

Spannend ist hier der Bezug zur heutigen Zeit, in der die Vernetzung und Globalisierung durch zunehmende Konflikte in Gefahr gerät. Deshalb könnten wir so wie Odysseus spüren, dass unser Zeitalter zu Ende geht.