Mathias Wellner

Auf den Hund gekommen

Tomka ist eine polnische Mischlings-Hündin

Seit ein paar Wochen halten wir Ausschau nach einem Hund. Nun wurden wir in einem Tierheim in Großröhrsdorf fündig, in wenigen Tagen soll der Transport von Tomka, einer polnischen Mischlingshündin, zu uns stattfinden. Der Weg dahin war allerdings nicht ganz leicht.

Leipziger Tierheim

Das Leipziger Tierheim bietet zwar viele Hunde, jedoch fanden wir da keinen Hund, wie wir uns ihn vorstellten. Das ist bei Tierheimen meist an der Tagesordnung, hier landen

  • Fundtiere, die von ihren Besitzern zurückgelassen wurden
  • Listen-Hunde (Kampf-Hunde) nach Beißvorfällen
  • Tiere aus behördlicher Anordnung, z.B. bei “Animal Hoarding” (Tiersammelsucht)
  • ältere Hunde, deren Besitzer ins Pflegeheim geht oder verstarb
  • Tiere aus dem Auslands-Tierschutz

Deshalb war es gar nicht so leicht, einen pflegeleichten, bewegungsfreudigen, menschenfreundlichen Hund zu finden. Denn das wollen alle.

Die Beschreibungen der meisten Hunde klingen dann auch eher abschreckend. Sie sind aber in der Form sinnvoll, damit man weiß, worauf man sich einlässt.

X ist ein sehr unsicherer Hund. Er zeigt sich selbst im alltäglichen Umgang immer wieder ängstlich und sehr schreckhaft. Daher benötigt unser X dringend ein ruhiges Zuhause, und zwar sowohl im Haushalt selbst, als auch eine ruhige, eher dörfliche Wohnumgebung und keine Innenstadtlage. Im Haushalt sollten sich aus diesem Grund möglichst keine Kinder befinden.

Y ist ein sehr dynamischer Rüde, der leider nie gelernt hat, eine gesunde Frustrationstoleranz aufzubauen und seine Impulse zu kontrollieren. So ist der Umgang im Tierheim mit ihm anfänglich schwierig und gefährlich gewesen. Y ist als hektisch, instabil, unruhig und sensibel zu beschreiben. Seine Rassezugehörigkeit verstärkt genannte Eigenschaften leider noch.

Laut seiner Vorbesitzerin kann Z leider nur schlecht alleine bleiben, er jault dann viel und ist sehr gestresst. Gut wäre es daher, wenn z.B. eine Person in der Familie im Home Office arbeitet oder Z mit zur Arbeit nehmen könnte.

Bark Date

Nächste Option ist das BarkDate, welches Anfang Juli in Leipzig stattfand. Im Rosental waren zahlreiche Hunde versammelt, die ein neues Zuhause suchten. Anbieter waren Tierschutzorganisationen und Pflegestellen. Grundsätzlich ist das eine gute Idee, jedoch tummelten sich dort sehr viele Hundesuchende und die Hunde waren in der Situation eher überfordert, so dass ein entspanntes Kennenlernen nicht immer möglich war. Die tollen Hunde hatten dann auch entsprechend viele Interessenten, so dass die Chancen entsprechend schlecht stehen.

Tierisch tierisch

Um auch andere Tierheime in der Nähe zu finden, stießen wir auf die MDR-Sendung Tierisch tierisch. Dort steht bei jeder Sendung ein Tierheim im Mittelpunkt, mit den aktuellen Vermittlungs-Kandidaten. Gut für die eigene Recherche ist die Tierheimliste.

Tierschutzliga (Spremberg)

Ein Besuch bei der Tierschutzliga bei Spremberg zeigte uns auch die Tücken des Unterfangens. Auf der Seite dort präsentierte sich ein Hund als fideler, aktiver Geselle. Wir meldeten Interesse an, fuhren hin und lernten ihn kennen. Nach der Gassirunde kam dann die Ernüchterung, laut Hundetrainerin passten wir nicht zum Hund, der ziemlich unruhig war und eine klare Führung brauchte.

Als Alternative gab es eine 10-jährige Boxer-Hündin, die einen sehr lieben Charakter hatte und auch schnell Vertrauen zu uns fasste. Aber so ganz überzeugt war ich dann doch nicht, so dass wir wieder am Anfang standen.

Hoffnung für Tiere (Großröhrsdorf)

Ein weiter Versuch führte uns dann zum Tierheim Hoffnung für Tiere in Großröhrsdorf. Dort hatten wir mehr Glück, unser Wunsch-Hund war noch verfügbar und die Wohnsituation gab es her. Die Öffnungszeiten waren eher eingeschränkt, am Samstag von 10:00 – 12:00 Uhr und an bestimmten Wochentagen von 15:30 – 18:00 Uhr. Also liehen wir ein familiäres Auto und fuhren an einem Samstag und dann noch an einem Dienstag hin, um den Hund kennenzulernen.

Das ist leider nicht selbstverständlich, bzw. manchmal bei Tieren aus dem Auslandstierschutz auch gar nicht möglich. Dennoch kann ich es nur empfehlen, da die Beschreibungen nicht immer ausführlich sind und eine gemeinsame Gassirunde zumindest einen gewissen Eindruck gibt. Und letztlich sind ja auch wir Menschen verschieden und haben eine bestimmte Wirkung auf den Hund. Es muss einfach passen und die Hundetrainer schauen auch, ob sich der Hund wohl fühlt mit seinem neuen Rudel.

Dennoch bleibt es ein Wagnis, das wir jetzt aber eingehen wollen. Denn im Tierheim kriegen die Tiere einfach nicht die gleiche Aufmerksamkeit wie in einem Zuhause. Ich hoffe sehr, dass alles gut klappt und wir gute Hundeeltern werden.