Filmtipp – Hamnet

Filmplakat für "Hamnet"

Ein bewegendes Drama über Agnes Shakespeare und den Verlust ihres Sohnes Hamnet. Agnes (Oscar für Jessie Buckley) ist die Tochter einer “Waldhexe”, einer kräuterkundigen Frau, die jedoch bei der Geburt eines weiteren Kindes starb. Deshalb lebt Agnes in Stratford mit ihrer Stiefmutter, ihr Bruder ist Familienoberhaupt und ihr wichtigster familiärer Kontakt. Der Wald ist ihr Zuhause, was auch das Filmplakat andeutet, mit ihrem Bussard unternimmt sie Ausflüge, kennt die Kräuter von ihrer Mutter, auch für die Geburt ihres ersten Kindes geht sie in den Wald.

William (Paul Mescal) lernt sie als ungelenken Latein-Hauslehrer kennen, der vor ihr nicht so recht die passenden Worte findet. Sie verlieben sich, heiraten gegen den anfänglichen Widerwillen ihrer Familien. Agnes und William gründen eine Familie, aber William leidet unter seinem herrischen Vater, schreibt nachts an seinen Werken, verzweifelt aber an seiner Situation. Agnes möchte ihn nicht verlieren, überredet ihren Bruder, bei Williams Vater vorzusprechen, um William einen Tapetenwechsel in London zu verschaffen. Dort baut er dann langsam Kontakt zu einer Theatertruppe auf, Näheres erfährt man aber nicht im fernen Stratford.

Agnes ist erneut schwanger, diesmal kann sie aber von Williams Mutter daran gehindert werden, in den Wald zu gehen. Sie entbindet einen Jungen (Hamnet) und ein Mädchen (Judith), unverhoffte Zwillinge. Der Film zeigt die Geburt sehr anschaulich, die Schmerzen, die Schreie, es geht zwar relativ schnell, aber nimmt einen ganz schön mit.

Später kommt eine der schönsten Szenen, die drei Kinder verkleiden sich als Hexen und spielen vor Agnes die Begegnung dreier Hexen, die Anfangsszene von Macbeth.

First Witch: When shall we three meet again?
In thunder, lightning, or in rain?
Second Witch: When the hurly-burly’s done,
When the battle’s lost and won.
Third Witch: That will be ere the set of sun.
First Witch: Where the place?
Second Witch: Upon the heath.
Third Witch: There to meet with Agnes.
Fair is foul, and foul is fair:
Hover through the fog and filthy air.

Die Familienidylle ist dann aber leider auch die Fallhöhe für die Tragödie, die ihren Lauf nimmt. Die Pest geht um und Judith erkrankt schwer. Agnes versucht alles, um sie zu halten, gibt ihr Tränke und pflegt sie. Hamnet möchte ihr helfen, legt sich neben ihr und bietet ihr an, für den umherschweifenden Tod ihren Platz einzunehmen, als Zwillinge hatten sie früher bereits die Kleider getauscht. Während Judith sich erholt, erliegt Hamnet der Krankheit.

William eilt zwar nach Stratford, kommt aber zu spät. Der Tod von Hamnet stellt die Beziehung auf eine harte Probe, Agnes ist verbittert und gebrochen, William geht nach London zurück und verarbeitet seine Trauer in seinem neuen Stück “Hamlet”.

Am Ende reist Agnes nach London, um im Globe Theatre dieses Stück zu sehen. Unwillig und skeptisch zuerst, wird sie dann aber vom Werk mitgerissen, wie auch alle Zuschauer, sowohl im Theater als auch im Kinosaal. Der Hamlet sieht dann auch dem verstorbenen Sohn sehr ähnlich, durch die Darbietung kann Agnes abschließen und den Tod ihres Sohnes verarbeiten.

Ich war sehr bewegt von diesem Film, der mir auch ein Wiedersehen mit Darstellern der großartigen Serie Chernobyl bescherte. Jessie Buckley spielte dort Ljudmila Ignatenko, die Frau des Feuerwehrmanns, der den Brand löschte und später im Krankenhaus an den Folgen der Strahlenkrankheit verstarb. Emily Watson war dort die Wissenschaftlerin Ulana Chomjuk.