Possendorf

Ein runder Geburtstag war der Anlass, meine alte Heimat Dresden zu besuchen. Genauer gesagt war ich in Possendorf zu Gast, übernachtete im modern-gemütlichen Hotel Bannewitz. Die Feier fand dann am Poisenbach statt, auf dem Grundstück der Eltern einer sehr guten Schulfreundin.

Es war schön, die alten MANOS-Nasen wiederzusehen, Freundschaften fürs Leben, seit mehr als zwanzig Jahren. Jetzt stehen halt bei uns allen die runden Geburtstage an, interessanterweise haben wir die 30. nicht groß überregional gefeiert. Jetzt mit 40 gibt es anscheinend eine Rückbesinnung auf die alten Freunde. Und der elterliche Garten bot auch eine wunderbare Kulisse, es gab einen kleinen Teich mit Schlauchboot, eine Boules-Arena, Holzhütten fürs Essen und schlechtes Wetter – und eine grandiose Verpflegung, wie bei Muttern.

An mich hatte das Geburtstagskind den Wunsch herangetragen, einen Sketch zu wichtigen Stationen ihres Lebens auszuarbeiten, wobei mich Martin noch beim finalen Ausformulieren tatkräftig unterstützte. Es war eine schöne Aufgabe, die wesentlichen Ideen hatte ich in den ersten Tagen. Sie war mit ihren Eltern als Kind aus Kasachstan nach Dresden umgezogen, die genaueren Hintergründe kannte ich ehrlich gesagt nicht. Deshalb bot diese Episode reichlich Gelegenheit für eine herrlich übertriebene Geschichte. Ich habe mir Kasachstan immer als Wüste vorgestellt, obwohl das natürlich nicht so ist, dieses riesige Land hat so ziemlich alle Landschaftsformen, die man sich vorstellen kann. Und so war der erfundene Grund für die Ausreise ein ehrgeiziges, sowjetisch-planwirtschaftliches Projekt, nämlich Gräben in die Wüste zu graben, damit es mehr regnet. Auch zu den anderen Episoden sprudelten die Ideen. Die Aufführung war dann auch eine Premiere mit Zettel in der Hand, denn unmöglich konnten wir vorher gemeinsam proben.

Im Anschluss an die Feier traf ich noch meine Cousine, die jetzt in Dresden internationale Beziehungen studiert. Das war ein schöner Austausch, politisch sind wir auf einer Linie, aber damit auch die einzigen beiden politisch Aktiven im Clan. Hier kommt wohl die unpolitische Ader vieler ehemaliger DDR-Bürger durch, noch dazu einer vor allem christlich geprägten Familie. Besondere Zeiten.