Werk ohne Autor

Langsam wird es wieder Kinojahreszeit, und den Film Werk ohne Autor von Florian Henckel von Donnersmarck wollte ich mir nicht entgehen lassen.

Der Film ist dem Leben von Gerhard Richter nachempfunden. Tom Schilling spielt den jungen Maler Kurt Banert, unsicher und suchend wirkt diese Figur, vor allem durch die Art des Sprechens. So ganz klar ist nicht, wie er bei der attraktiven Elisabeth (Paula Beer) landen kann. Wobei ich mir auch Interviews mit Gerhard Richter angeschaut habe, der ganz ähnlich spricht, er wirkt introvertiert, vertieft in seine Arbeit, suchend. Das hat Tom Schilling ganz gut getroffen.

Zeichnen kann er jedenfalls, da ist er ganz bei sich, vertieft sich nächtelang in ein Werk. Gut gezeigt sind aber auch die Schaffenskrisen, die vielen Fehlversuche. In Düsseldorf besucht ihn eines Tages sein huttragender exzentrischer Professor, der Joseph Beuys nachempfunden ist. Er schaut sich die Werke an und attestiert seinem Schüler, dass das noch nicht er selbst ist, noch nicht sein wahrer Kern. Etwas vereinfacht muss Banert sein wahres Selbst entdecken, um als Künstler erfolgreich zu sein. Was ihm schließlich durch das Abmalen von Fotos gelingt, der er leicht verfremdet.

Dresdner Kunstakademie
Dresdner Kunstakademie

Doch abseits der Kunst erzählt der Film auch einige Kapitel deutscher Geschichte. Als Junge erlebt Kurt die Zerstörung Dresdens mit, er sieht die britischen Bomberverbände im Anflug auf Dresden, Metallstreifen regnen herab auf ihn. Ein kraftvolles Bild, etwas getrübt durch die exemplarisch sterbenden Zivilisten im Bombenhagel. Parallel dazu stirbt seine Tante, die wegen Schizophrenie in die Psychiatrie eingeliefert wurde. Sie wird vergast im Rahmen der Aktion Brandt. Und auch zwei Onkel, als Soldaten an der Ostfront, sterben im sowjetischen Kugelhagel. Durch diesen Parallelschnitt sind die Schrecken des Zweiten Weltkrieges sehr plastisch, danach folgt der Schnitt zum weitgehend zerstörten Dresden der Nachkriegsjahre.

Ich erkannte viele Drehorte wieder, Semper-Oper, Zwinger, Kunstakademie, großer Garten – die alte Heimat.

Sicherlich gab es auch Schwachstellen, die weibliche Hauptfigur blieb konturlos, und warum es so viele erotische Szenen brauchte, erschloss sich mir auch nicht. Aber insgesamt ein großartiger Film, den ich sehr empfehlen kann.