25.12.2002

Weihnachten in der Ferne

Gern würde ich jetzt erzählen, wie Amerikaner Weihnachten verbringen, welche Traditionen und Bräuche sich hier herausgebildet haben. Doch leider sind alle Leute, die wir kennen, von dannen gezogen. Blacksburg ist momentan eine Geisterstadt. Dazu passt auch der eisige Wind, der momentan durch die Straßen weht. Gestern erzählte ich noch scherzhaft einigen Anrufern, dass wir eine weiße Weihnacht nur durch die höhere Temperatur verpassten, sich infolgedessen Regenschauer ergaben. Doch heute, am Tag danach ziehen die Ausläufer eines Wintersturms über uns hinweg. Doch noch ist es warm im Häuschen.

Heiligabend verbrachte ich mit Mischa nach allen Regeln der Kunst. Tannenbaum, Geschenke, Plätzchen — wir fügten eigenmächtig noch Weißwein, Katzen und seltsame Gespräche hinzu. Es war ein ganz besonderes Weihnachten, anders und doch ein wenig an der Tradition orientiert. Durch einige Anrufe konnte ich auch die Verbindung zur Heimat herstellen.

Die viele Freizeit nutze ich dazu, ganz konzentriert wenig Sinnvolles zu tun. Ich lese den Herrn der Ringe — in der Originalversion. Der Kinobesuch des zweiten Teils der Trilogie am letzten Samstag mit meiner Gastfamilie war beeindruckend und verleitete mich dazu, dieses Unterfangen zu beginnen. Böse Mächte halten mich gelegentlich davon ab, doch stets kehre ich wieder auf den rechten Pfad zurück. Und wenn alles gut geht, kann ich diese Mission erfüllen und der Verantwortung gerecht werden. Da fällt mir doch glatt ein, dass ich gerade auf dem Weg nach Isengard bin, um ein Schwätzchen mit Saruman zu halten. Also, verzeiht bitte meine Eile, aber ich muss das Licht des Tages ausnutzen und weiter reiten, meine Gefährten sind schon weit voraus…