Das Dekameron

Das Jahr startet bei den Eumeniden unter neuer Intendanz, Katharina Geyer und Eric Jattke übernehmen die künstlerische Leitung. Ihr erstes Projekt wird eine Hörtheater-Fassung des Dekameron von Giovanni Bocaccio sein. Die Sammlung von 100 Novellen entstand um 1350 und ist damit der älteste Text, der mir bisher im Rahmen eines Theaterprojekts begegnete.

Die Rahmenhandlung spielt in und um Florenz, wo die Pest wütet und immer mehr Einwohner sterben. Zehn junge Frauen und Männer beschließen, dem Elend zu entfliehen, sie ziehen zu einem Landhaus nicht weit von Florenz. Dort erzählen sie reihum jeden Tag Geschichten zur Unterhaltung, eben jene 100 Novellen. Die Sprache ist eine aus heutiger Sicht umständliche, sich wiederholende, viel Gottesfurcht und Sittsamkeit. Hier ein Beispiel vom Anfang:

Sooft ich, holde Damen, in meinen Gedanken erwäge, wie mitleidig ihr alle von Natur aus seid, erkenne ich auch, dass eurer Meinung nach dies Werk einen betrübten und bitteren Anfang haben wird, da es an seiner Stirn die schmerzhafte Erzählung von der Pestseuche trägt, die vor kurzem jeden, der sie sah oder sonst kennenlernte, in Trauer versetzte.
Doch wünsche ich, dass ihr euch nicht vom Weiterlesen in dem Glauben abschrecken lasset, ihr müsstet immer zwischen Seufzern und Tränen lesend weiterwandeln. Dieser schreckensreiche Anfang soll euch nicht anders sein wie den Wanderern ein steiler und rauer Berg, jenseits dessen eine schöne und anmutige Ebene liegt, die ihnen um so wohlgefälliger scheint, je größer die Anstrengung des Hinauf- und Hinabsteigens war. Und wie der Schmerz sich an das Übermaß der Lust anreiht, so wird auch das Elend von der hinzutretenden Freude beschlossen.

Das wird die Herausforderung sein, diesen alten Text zu verstehen und gut zu lesen. Am Samstag gibt es ein erstes Treffen. Schön, dass es wieder los geht!