Tschernobyl-Serie

Am 26. April jährte sich die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl, vor 34 Jahren kam es im Reaktor 4 zur Explosion und Kernschmelze. Viele erinnerten sich daran, dass sie auch damals nicht nach draußen durften, so ähnlich wie jetzt zu Corona-Zeiten. Ich war sechs Jahre alt, als es passierte, kann mich an nichts erinnern. Und da ich mich sehr für neuere Geschichte interessiere, entdeckte ich mit Chernobyl eine sehr gut gemachte Mini-Serie mit fünf Folgen, die die Geschehnisse, Ursachen und Folgen sehr gut darstellt.

Titelbild der HBO-Serie
Titelbild der HBO-Serie

Die Serie beginnt kurz nach dem Reaktorunglück, eine Frau im benachbarten Prypjat sieht die Explosion und den Brand durch ihr Fenster. Im Kontrollraum ist es den Ingenieuren nicht klar, der Verantwortliche meint, es sei eine Explosion von einem Wasserstoff-Tank. Die beiden Chefs werden aus dem Schlaf geweckt und fahren zum Kraftwerk, in einem unterirdischen Bunker versuchen sie sich ein Bild der Lage zu verschaffen, dabei stets die Verantwortung abschiebend. Sie melden auch nur leichte Schäden nach Moskau und dass die Lage unter Kontrolle sei.

So verstreicht wertvolle Zeit, in Prypjat gehen Anwohner auf eine Eisenbahnbrücke, um einen besseren Ausblick auf das nächtliche Feuerspektakel zu haben. Keiner von ihnen wird überleben, der Film zeigt die vielen kleinen schwarzen Partikel, die sich auf ihre Haut legen, auf ein Baby im Kinderwagen. Das ist überhaupt die Schwierigkeit, die unsichtbare tödliche Gefahr filmisch darzustellen. Und das gelingt immer wieder, durch die unheilvolle Musik, die radioaktiven Partikel, das Rattern der Geigerzähler, gleißendes Licht, sich übergebende Menschen.

Im Zentrum stehen schließlich Waleri Alexejewitsch Legassow und Boris Jewdokimowitsch Schtscherbina, die vom Zentralkomitee nach Tschernobyl entsandt wurden, um dort die Gegenmaßnahmen zu koordinieren. In der Serie bilden sie ein kontrastreiches Team, auf der einen Seite der etwas weltfremde Wissenschaftler Legassow, der anfangs als einziger das Ausmaß der Katastrophe versteht, auf der anderen der pragmatische, zupackende Schtscherbina, der alles in die Wege leitet und auch vor menschlichen Opfern nicht zurückschreckt.

Denn so schlimm die Katastrophe eh schon war, drohte durch den schmelzenden Kern und das reichlich vorhandene Kühlwasser eine thermische Explosion, die weite Teile Eurpoas unbewohnbar gemacht hätte. Auch das Grundwasser war in Gefahr, großflächig kontaminiert zu werden. Aber durch eine ungeheure Anstrengung kann all das verhindert werden, wobei der Tod vieler Menschen dabei in Kauf genommenen wurde, vor allem der Liquidatoren.

Am Ende der Serie steht die Gerichtsverhandlung, in welcher Legassow den genauen Hergang der Katastrophe erläutert. Neben menschlichem Versagen erwähnt er auch einen gravierenden Sicherheitsmangel bei diesem Reaktortyp, eine Notabschaltung in dieser speziellen Betriebssituation, also das gleichzeitige Einfahren der Steuerstäbe, wirkt anfangs reaktionsfördernd, da die Spitzen der Stäbe aus Graphit sind. Diese wichtige Erkenntnis verschwand aus einem Bericht, die Operatoren wussten davon nichts. Und so löste die Notabschlaltung endgültig die Katastrophe aus, der Reaktor geriet außer Kontrolle und das Unglück nahm seinen Lauf. Mit dieser Rückblende endet die Serie, Legassow muss seinen Mut zur Wahrheit mit dem Ende seiner Karriere bezahlen.

Ein absoluter Tipp, die Serie gibt es bei diversen Anbietern (maxdome, Amazon Prime, Google Play).