Radfahren in Darmstadt

Der Grüne Kreisverband war Gastgeber für einen Diskussionsabend zum Thema In Bewegung: Radfahren in Darmstadt. Das Podium bestand aus Radfahraktivisten vom Radentscheid Darmstadt und ADFC Darmstadt-Dieburg, die mit Oberbürgermeister Jochen Partsch diskutieren.

In Bewegung: Radfahren in Darmstadt am 10. September um 19:00
In Bewegung: Radfahren in Darmstadt am 10. September um 19:00

Die Bürgerinitiative Radentscheid brachte 2018 durch ihre Initiative für einen Bürgerentscheid neuen Schwung in die Diskussion zur Verkehrssituation in Darmstadt. Die Initiative wurde zwar abgelehnt, weil die Kostenschätzung nicht den Anforderungen entsprach. Aber zumindest wurde ein Programm von 4x4 (4 Jahre ja 4 Mio €) beschlossen. Und im Juni 2019 beschloss die Stadtverordnetenversammlung eine neue Radstrategie, nachfolgend Auszüge.

A 1. Beitrag zur Stadtentwicklung: Die Radstrategie ist ein Beitrag zur weiteren Entwicklung Darmstadts als lebenswerte und attraktive Stadt. Die Verkehrswende mit einer Verlagerung von Autoverkehr auf mehr Radverkehr führt zu einer Steigerung der Lebensqualität, trägt zur Aufenthaltsqualität und zur sozialen Belebung des öffentlichen Raums bei und reduziert Lärm, Abgase und Feinstaub. Radfahren ist bezahlbar und gesund.

A 2. Steigerung Modal Split: Der Modal-Split-Anteil des Radverkehrs (Gesamtanteil aller Wege der Darmstädter Wohnbevölkerung) lag zuletzt bei 17% (SrV-Erhebung TU Dresden 2013). Dieser Radverkehrsanteil soll bis 2030 auf 30% gesteigert werden. Die Steigerung soll durch die Verlagerung von Autofahrten auf das Fahrrad erreicht werden.

A 3. Zielnetz Radverkehr: Der aus dem Verkehrsentwicklungsplan 2006 (VEP) stammende Radverkehrs-Netzplan wird überarbeitet und fortgeschrieben. Die Unterteilung in ein Hauptradnetz für die durchgängigen Achsen/Erschließung zentraler Ziele und in ein Nebennetz für die ergänzende Erschließung im Stadtteil/Quartier wird beibehalten. Im Hauptradnetz müssen für alle Zielgruppen attraktive und sichere Angebote geschaffen werden, unabhängig davon, ob es sich um Hauptverkehrsstraßen oder um Straßen/Wege im übrigen Netz handelt. Künftige Radplanungen sind aus dem Blickwinkel von schwächeren Verkehrsteilnehmern (wie Kinder, Senioren, unsicher Radfahrende, mobilitätseingeschränkte Menschen) zu entwickeln.

A 4. Flächengerechtigkeit: Ein attraktives Radnetz braucht mehr Flächen. Dies wird durch die Neuordnung des öffentlichen Raums ermöglicht. Die für den Radverkehr benötigten Flächen werden zum größten Teil von Flächen des bislang räumlich vorherrschenden Autoverkehrs bereit zu stellen sein. Die Förderung des Radverkehrs soll keine Nachteile für den öffentlichen Nahverkehr und den Fußverkehr haben.

Das Podium und auch das Publikum waren im wesentlichen fahrradfreundlich eingestellt, hartgesottene SUV-Fahrer suchte man da vergeblich. Und so stand auch nicht das grundsätzliche Ziel von mehr Radverkehr in Frage, sondern welcher Weg dahin führt. Leider dauert ein solcher Umbau immer viele Jahre, da die Mittel begrenzt sind und Planungsverfahren einige Zeit in Anspruch nehmen. Positiv aus dem Magistrat ist die Ernennung eines Radverkehrsbeauftragten (Peter Roßteutscher), der auch über zwei Mitarbeiter verfügt.

Kritische Fragen kamen zum Thema Parken auf Gehwegen. Dadurch bleibt stellenweise sehr wenig Platz für Fußgänger, mit einem Rollstuhl oder Kinderwagen ist stellenweise gar kein Durchkommen mehr möglich. Leider ist da keine einfache Lösung in Sicht. Die Kommunalpolizei würde härter durchgreifen bei Falschparkern, die die Sicherheit an Kreuzungen gefährden. Aber in vielen Vierteln ist das Parken auf dem halben Bordstein weit verbreitet, was wie beschrieben oft zu Lasten des verfügbaren Fußwegs geht.

Ein Projekt könnte da mittelfristig Abhilfe schaffen, eine Parkraumbewirtschaftung wie sie schon in einigen Vierteln üblich ist. Kostenloses Parken wird dann in der Innenstadt nicht mehr möglich sein, Anwohner können eine Jahreskarte erwerben. Aus Zürich ist mir diese Idee sehr gut bekannt, dort gibt es überall die blauen Parkplätze, die frei verfügbaren weißen sucht man vergebens. Aber damit hat die Stadt einen Hebel, das Parken teurer zu machen und damit die Anzahl der Autos langfristig zu reduzieren.