Die umweltgerechte Stadt

Der grüne Arbeitskreis Umwelt trifft sich normalerweise im Grünen Büro in der Lauteschlägerstraße. Heute trafen wir uns in der Schader-Stiftung, die abends zu zwei Vorträgen zum Thema Umweltgerechte Stadt eingeladen hatte.

Der erste Sprecher war Prof. Andreas Diekmann von der ETH Zürich. Er beschäftigte sich mit der Hypothese, ob Menschen mit schlechterem sozialen Status (Einkommen, Migranten) mehr unter Umweltbelastungen in Großstädten leiden, also Lärm, Feinstaub, Stickoxide. Und das in vier Städten: Bern, Zürich, Hannover und Mainz.

Die Ergebnisse waren nicht wirklich eindeutig, er sprach deshalb vom demokratischen Smog, der alle gleichermaßen betrifft. Jedoch sind sozial besser gestellte Menschen eher in der Lage, etwas zu verändern, zum Beispiel durch größere Wohnungen und damit Schlafzimmer auf der Hofseite oder bessere Fensterverglasung. Das machte einiges aus an empfundener Umweltbelastung.

Als Vision für eine lebenswerte Stadt zitierte er Jan Gehl, der als Stadtenwickler Städte für Menschen gestaltet (siehe Interview in brand eins). Eine lebenswerte Stadt sollte

  1. Bewohnt sein und auch günstiges Wohnen ermöglichen
  2. Priorität geben für 1. Fußgänger, 2. Radfahrer, 3. ÖV und 4. möglichst emmisionsfreien Verkehr
  3. Gute ÖV-Infrastruktur, hohe Frequenz, dichtes Netz, bequem
  4. Orte für Begegnungen, zum Schauen, Straßencafes, Märkte, kleine und vielfältige Läden, Grünflächen, Parks
  5. Geringe Umweltbelastung von Lärm und Luftverschmutzung haben

Der zweite Sprecher war aus Berlin, wo der Senat in einem langjährigen Projekt Stadt-Karten mit diversen Umweltfaktoren zusammengestellt hat, und das mit einer hohen räumlichen Auflösung. Ein spannendes Projekt, welches eine Diskussionsgrundlage bietet. Konkrete Entscheidungen sind dann aber doch wieder schwierig und abhängig von den Mehrheitsverhältnissen.

Ein sehr inspirierender Abend, ich werde mir ohnehin schon sehr bald Kopenhagen mal näher anschauen.