Moby Dick

Das Staatstheater Darmstadt spielt Moby Dick, raue Seemänner jagen Wale, ihr Kapitän besessen vom sagenhaften weißen Wal, der ihm einst ein Bein kostete. Am Ende finden sie Moby Dick, der ihrer aller Untergang ist.

Mit
Béla Milan Uhrlau, Anabel Möbius, Robert Lang, Hans-Christian Hegewald, Erwin Aljukic
Regie
Julia Prechsl
Bühne und Kostüme
Birgit Leitzinger
Video
Florian Schaumberger
Dramaturgie
Karoline Hoefer
Walfangboot der Azoraner
Walfangboot der Azoraner

Während meines Azoren-Urlaubs konnte ich mich bereits eingehend mit dem Walfang beschäftigen, der auch auf den Inseln praktiziert wurde. Doch gelernt hatten die Azoraner es von den amerikanischen Walfang-Schiffen, die vor ihrer Küste Jagd auf Pottwale machten. Denn diese betrieben das im großen Maßstab, es dauerte ja auch nicht lange, bis ein Großteil der Walbestände ausgerottet war. Und all das für ein bisschen Tran, der dann wenig später durch billig verfügbares Erdöl ersetzt wurde.

Walfang-Harpune mit Widerhaken
Walfang-Harpune mit Widerhaken

Die Inszenierung musste sich natürlich die Frage stellen, wie sie diesen alten, maskulinen Stoff auf die Bühne bringt. Eine Entscheidung war, keine festen Rollen zu vergeben. Das fünfköpfige Ensemble war auf gleiche Weise abgefetzt gekleidet, sie waren die Mannschaft, die Figuren des Buches wechselten von Schauspielerin zu Schauspieler. Markant war Erwin Aljukic, der die Glasknochenkrankheit hat und deutlich kleiner und leichter war als die anderen. Doch dieser Umstand bot Gelegenheit für vielfältige und kreative Interaktionen, mal ritt er auf der Schulter, einmal hing man ihn an das Schiffsgerippe, dann hielt er sich am Bein fest wie ein Kind. Ein Matrose war weiblich, auch das völlig egal bei der Ensemble-Inszenierung.

Das Bühnenbild bestand aus einem stilisierten Schiffsrumpfgerippe und einer riesigen weißen Plastikplane, die dann auch wahlweise das Meer, ein Wal oder auch einen Sarg darstellte. Ein bisschen fehlte Kapitän Ahab schon, er wechselte zwischen den Schauspielern, war unser aller dämonischer, rachsüchtiger, gieriger Teil, der nicht eher Ruhe gab, bis dieser verfluchte weiße Wal getötet war.

Und so kann man den Text symbolisch sehen, wer trug sie Schuld daran, dass die Pequod unterging, mit ihrer internationalen Besatzung ein Symbol der ganzen Welt? Die gesamte Mannschaft, alle hatten die Warnungen gehört, keiner hatte gehandelt. Der erste Steuermann Starbuck war der einzige, der überhaupt widersprach, aber auch er handelte nicht. Und so endete der Theaterabend mit einer detaillierten Beschreibung des Ertrinkens, theatralisch umgesetzt durch weißes Wasser, welches aus Eimern auf die liegenden Leiber geschüttet wurde.

Nur der Erzähler überlebte, im schwimmenden Sarg seines Blutsbruders.