Blake Morrison – Wir sind drei Schwestern

Ein schöner Theaterabend im Prinz-Emil-Palais mit den Drei Schwestern von Blake Morrison, aufgeführt in Englisch von der ESOC Theatre Group.

Der Titel erinnert stark an Tschechows Drei Schwestern. Und es gibt spannende Wechselbeziehungen zwischen beiden Werken. So soll Tschechow von einer Biografie Charlotte Brontës inspiriert worden sein, seine Drei Schwestern zu schreiben. Denn die drei Brontë-Schwestern lebten abgeschieden in der Provinz und sehnten sich nach Leben und Abwechslung. Auch bei Tschechow ist die älteste Schwester Lehrerin, tauchen Verehrer der beiden jüngeren Schwestern auf, gibt es den nichtsnutzigen Bruder, der das Vermögen verspielt.

Morrison schrieb seinen Text über die Brontë-Schwestern, über ihr Leben im ländlichen England des 19. Jahrhunderts. Alle drei waren Schriftstellerinnen, unerhört zur damaligen Zeit, weshalb sie alle männliche Pseudonyme verwendeten. Die Handlung orientiert sich grob an Tschechow, jedoch hat Morrison einige Figuren gestrichen, vor allem die herumlungernden Soldaten.

Während ich in der ersten Hälfte noch etwas Mühe hatte, die Charaktere kennen zu lernen und einzuordnen, gefiel mir die zweite Hälfte um so besser. Es gab schöne Momente, am eindrucksvollsten wohl der Abschied des Doktors, dessen Gefühle die jüngste Schwester nicht erwidert. Auch die hochnäsige Geliebte des Bruders war wunderbar in Szene gesetzt, und natürlich auch die Schwestern mit ihren unterschiedlichen Charakteren und zugleich einer tiefen Verbundenheit. Am Ende winkt der schriftstellerische Erfolg, begeisterte Leser fragen nach Widmungen. Und so können die Brontë-Schwestern sicher sein, dass ihre Bücher in Erinnerung bleiben werden. Mit diesem optimistischen Abschluss unterscheidet sich Morrison dann aber doch beträchtlich von Tschechow, dessen drei Protagonistinnen machtlos und resigniert zuschauen, wie ihre Welt zusammenbricht.