Persönliche Rosen-Dernière

Für mich war es die vorerst letzte Aufführung von Der Name der Rose an der Neuen Bühne. Drei Abende in Folge, und das bei den aktuell tropischen Temperaturen. Dennoch war der Saal für die letzten Vorstellungen stets ausgebucht, was für die Inszenierung, für das Marketing oder einfach für das treue Darmstädter Publikum spricht.

Spielstätte der Neuen Bühne in Darmstadt-Arheilgen

Da heute Renate (die Regisseurin) anwesend war, herrschte ein deutlich höheres Maß an Konzentration. Außerdem wurden deutlich weniger Hauptgänge und Desserts bestellt als an den beiden vorangegangenen Aufführungen. Somit waren alle ein wenig entspannter, wir konnten pünktlich starten – ein insgesamt schöner Abschlussabend für mich.

Und so werde ich wohl schon bald den Abschlussprobenstress vergessen haben und mich zurücksehnen nach der hektischen Betriebsamkeit vor und während einer Aufführung. Teller klappern in der Küche, bevor sie mit Käse und Salat belegt werden, Weinflaschenkorken ploppen, ich habe bestimmt an die 150 Flaschen entkorkt, Wasser- und Bierflaschenkästen rattern über den Fliesenboden, Diskussionen werden immer wieder darüber geführt, wie viele Weintrauben, Oliven oder Antipasti-Stückchen auf den Salatteller gehören, der Techniker testet das System mit dem immer gleichen Rock-Lied, entspannte Gespräche im Innenhof zwischen den Auftritten, orgelige Melodien erklingen, der unverkennbare Soundtrack, Adson sagt zum gefühlten 100 mal “Meister”, Ketten klirren, die Gefangenen schreien auf, Schweißperlen tropfen während der langen Prozess-Szene, Flammen lodern, und am Ende tost der Applaus.

Als Statist lastete nicht die große Verantwortung auf mir, pünktliche Auftritte und Umbauten reichten im Prinzip, etwas fordernder waren die Soldatenszenen mit den Gefangenen, die wir mit Ketten hereinführten. Die Brutalität der Inquisition verkörperte ich als Soldat unter Befehl von Bernardo Gui. Letztendlich übernahmen aber andere die brutaleren Elemente wie Fußtritte, Faustschläge und dergleichen, ich beschränkte mich aufs energische Ziehen an der Kette, dem gelegentlichen Zubodenwerfen von Remigius und Salvatore und einem generell grimmigen Blick auf die Gefangenenen.

Und ich hatte ja auch stets diesen kurzen wortlosen Solo-Auftritt als Venantius, mit dem begehrten Buch schlich ich mich nachts in den Saal, las etwas darin, lachte ein wenig vor mich hin, leckte mir die Finger, blätterte um, erschrak aufgrund von Rattengeräuschen, flüchtete voller Angst. Wenig später war Venantius tot, entdeckt in einem Bottich aus Schweineblut. Ein schöner kleiner Auftritt.

Die meisten Zuschauerreaktionen kommen aber beim ersten Auftritt als Soldat, Bernardo Gui kommt herein mit zwei Soldaten im Schlepptau. Es ist der Wendepunkt des Stückes,schluss mit lustig, die Inquisition übernimmt. Da geht stets ein Raunen durchs Publikum.

Jetzt kann ich mich auf jeden Fall wieder anderen Dingen widmen, mit Theateraufführungen bleibt von so einem Wochenende leider nicht viel übrig.

Übrigens wird es nächstes Jahr im Februar/März eine Wiederaufnahme geben, damit auch all die sich dieses Stück anschauen können, die es jetzt verpassten. Zum Glück im Winter, denn dann ist die ursprünglich fröstelnde Novemberstimmung leichter herzustellen und man ist froh um die lange Mönchskutte.