Michel Houellebecq – Unterwerfung

An diesen warmen Tagen genieße ich meinen Balkon. Während in der Wohnung das Thermometer knapp 30 Grad zeigt, lässt es sich da draußen gut aushalten, mit einer Karaffe voller Wasser, einem Teller Tomate-Mozarella und einem guten Buch. Und ein solches ist Unterwerfung zweifellos, ironisch beschreibt es die Islamisierung Frankreichs und gleich ganz Europas, da sich die traditionellen Werte als die stärkeren erweisen, verglichen mit dem erschlafften liberalen Individualismus des Westens.

In einem fiktiven Frankreich kommt es bei der Präsidentenwahl zur Stichwahl zwischen Marine Le Pen und Ben Abbes, dem Kandidaten der Muslimbrüder. Die Sozialisten und Konservativen entschließen sich zur Unterstützung von Abbes, um den Front National zu vermeiden, wodurch Ben Abbes zum Präsidenten wird. Er ist ein gemäßigter, charismatischer Mann, der dennoch schon bald beginnt, Frankreich nach muslimischen Werten umzugestalten. Frauen verschwinden aus dem öffentlichen Leben, die Universitäten werden privatisiert. Saudis übernehmen die Sorbonne und entlassen erst einmal die meisten Dozenten. Darunter ist auch der Erzähler Francois, ein Mittvierziger, der ähnlich wie Europa ein wenig erschlafft ist, nicht groß protestiert, als man ihm die Entlassung und eine volle lebenslange Rente anbietet.

Durch seine Position kennt er natürlich die richtigen Ansprechpartner, einen ehemaligen Geheimdienst-Mitarbeiter, dessen Frau in höchsten Universitätsgremien, ein Mitglied der Identitären, seine jüdische Ex-Freundin, die vorsorglich mit ihren Eltern nach Israel auswandert und den neuen Rektor der Universität, einen zum Islam konvertierten belgischen Professor. Dieser bietet ihm schließlich an, seine alte Stellung zurückzuerhalten, verbunden mit der Bedingung, sich zum Islam zu bekennen. Und Francois erkennt schließlich, dass dieser Weg durchaus auch Vorteile hat, drei Frauen werden ihm in Aussicht gestellt, fügsam und sorgsam ausgesucht für ihn. Und so unterwirft er sich gedanklich dem Unausweichlichen.

Es ist eine schöne Lektüre, am Mittwoch strahlt das ARD die Verfilmung aus. Dem vorausgegangen war eine Inszenierung des Hamburger Schauspielhauses mit Edgar Selge als Ein-Mann-Abend. Und genau der spielt die Hauptrolle im Film.

Und so mag ich das Buch auch weniger als Panikmache verstehen vor dem vermeintlichen Untergang des Abendlandes, aber vielmehr als Weckruf, sich auf die westlich-liberalen Werte zu besinnen und sie zu verteidigen.