Anton Tschechow – Der Bär

Anton Tschechow hat neben seinen bekannten abendfüllenden Stücken auch einige Einakter geschrieben. Einer der bekanntesten ist Der Bär, den ich hier kurz vorstellen möchte.

Personen

Elena Ivanovna Popova
Junge Witwe mit Grübchen in den Wangen, Gutsbesitzerin
Grigorij Stepanovič Smirnow
Gutsbesitzer, nicht alt
Luka
Lakai der Popoba, ein alter Mann

Handlung

Elena befindet sich immer noch in tiefer Trauer wegen ihres vor sieben Monaten verstorbenen Gatten. Luka versucht sie aufzumuntern, aber ohne Erfolg. Ständig schaut sie das Foto an und schluchzt, als die Rede auf ihres Gatten Lieblingspferd Toby kommt.

Popova
Ich bitte dich, nie wieder damit anzufangen! Du weißt, seit Nikolaj Michajlovič gestorben ist, hat das Leben für mich jeden Wert verloren. Dir scheint, als sei ich am Leben, aber das scheint nur so! Ich habe mir geschworen, diese Trauer bis an mein Grab nicht abzulegen und niemanden mehr zu sehen...

Da klingelt ein Besucher, Grigorij Smirnow, und lässt sich durch nichts abbringen, mit der Herrin des Hauses zu sprechen. Ihr verstorbener Gatte schulde ihm noch 1200 Rubel für Hafer, und er bräuchte dieses Geld dringend, da am nächsten Tag Rückzahlungen an die Bank fällig seien. Elena Popova ist nicht gewillt, sofort zu zahlen, woraufhin die Diskussion zunehmend hitziger verläuft. Vor allem in den Szenen allein offenbart Smirnov sein hitziges Temperament.

Smirnov
Nein, was sagt man zu dieser Logik! Ein Mensch braucht dringend Geld, ist nahe dran, sich aufzuhängen, aber sie zahlt nicht, denn, man höre und staune, sie ist nicht in der Stimmung, sich mit Geldangelegenheiten zu befassen!... Die echte Weiber-Korsett-Logik! Deshalb rede ich nicht gern mit Frauen und habe es nie getan. Lieber auf einem Pulverfass sitzen als mit einer Frau reden.

Und so spitzt sich der Streit zwischen den beiden immer mehr zu, das Tempo steigt, der gute Luka kriegt fast einen Herzinfarkt und die beiden Protagonisten steigern sich in ihren Anschuldigungen.

Popova
Scheren Sie sich gefälligst hinaus!
Smirnov
Möchten Sie sich nicht etwas höflicher ausdrücken?
Popova
Sie Bauer! Sie grober Bär! Flegel! Monstrum!
Smirnov
Wie? Was haben Sie gesagt?
Popova
Ich sagte, Sie sind ein Bär, ein Monstrum!
Smirnov
Gestatten Sie, welches Recht haben Sie, mich zu beleidigen?
Popova
Jawohl, ich beleidige Sie... na und? Denken Sie, ich hätte Angst vor Ihnen?
Smirnov
Und Sie denken wohl, weil Sie ein poetisches Geschöpf sind, hätten Sie das Recht, jemanden ungestraft zu bleidigen? Ja? An die Barriere!
Luka
Allmächtiger!... Ihr Heiligen!... Wasser!
Smirnov
Wir werden uns schießen!

Es droht ein Duell, Elena Popova hat zwar keine Ahnung, wie man mit Pistolen umgeht, aber schießen will sie trotzdem. Doch Smirnov erkennt jetzt, was für eine großartige Frau er da vor sich hat, schließlich finden sich die beiden.

Fazit

Das Stück lebt von den beiden so verschiedenen, aber doch einander in ihrer Verbissenheit und Streitsucht ähnlichen Charakteren. Smirnov, der ungehobelte Waldschrat, Popova, die vornehm-zurückhaltende Witwe, die sich aber auch nichts gefallen lässt. Hier braucht man bei der Inszenierung die passenden Schauspieler, die sich auf diesen wunderbar geschriebenen Streit einlassen und die Fetzen fliegen lassen.

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