Der Löwe im Winter

Unverhofft konnte ich meine erste Rolle in einer hiesigen Theatergruppe ergattern. Bei der Musischen Gruppe Auerbach handelt es sich um eine kulturelle Verbindung mit eigenem Haus zentrumsnah in Darmstadt, ganz in der Nähe des Jugenstilbades. Dort laufen sehr viele kulturelle Aktivitäten, Chor, Theater, Musik und Literatur.

Jedenfalls wurde ich am Sonntag sehr herzlich willkommen geheißen bei meiner ersten Probe als Prinz John in Der Löwe im Winter. Die Proben haben schon vor einiger Zeit begonnen, wir probten die Szene 1.5.

Es ist eine Schlüsselszene, in der mir mein Bühnenbruder Richard Löwenherz an die Gurgel will, bis unsere Mutter Eleanor dazwischen geht – mit einem sehr schönen Appell zum Frieden. John ist nicht der hellste, das merkt man deutlich, eine schöne lustige Rolle mit wenig Text.

ELEANOR
Selbstverständlich hat er ein Messer. Er hat immer ein Messer. Wir alle haben ein Messer. Wir schreiben das Jahr 1183 und wir sind Barbaren. Das ist ganz offensichtlich unsere Schuld. Da seht ihr es, meine kleinen Widerlinge, wir sind der Ausgangspunkt aller Kriege. Weder die Vergangenheit zwingt uns noch die Gegenwart, nicht Gesetze, Ideologien, Religionen, Regierungen oder irgend etwas sonst. Wir selbst sind die Mörder, unsere Gier brütet Kriege aus. Wir tragen sie in uns, wie eine Seuche. Leichen faulen auf den Feldern und in den Flüssen, weil schon die Lebenden innerlich angefault sind. Um Christi Willen, können wir uns nicht wenigstens ein bißchen lieben? Das wäre ein erster Schritt zum Frieden. Mit unseren Möglichkeiten, meine Kinder, könnten wir die Welt verändern.
James Goldman, Der Löwe im Winter, Deutsch von Susanne Meister

Hier noch die vollständige Szene aus der Verfilmung von 2003 mit Glenn Close und Patrick Steward.

Ich freue mich sehr auf die Produktion, wie üblich gibt es Probewochenenden und viele Proben bis zu den Aufführungen, die für den Oktober geplant sind.