Bodo Kirchhoff: Widerfahrnis

Ein frühpensionierter Buchverleger namens Reither ist der Erzähler der Novelle Widerfahrnis. Nachdem sein kleiner Verlag nicht mehr so recht lief, hat er sich in einem idyllischen Alpental niedergelassen, in einem Wohnkomplex mit Empfang. Dort entdeckt er in der Bibliothek ein Buch ohne Titel, nur mit dem Namen der Autorin. Und während er so darüber nachdenkt, abends in seiner Wohnung, ist da plötzlich jemand vor der Tür, klingelt schließlich. Es ist Leonie Palm, die den lokalen Literaturzirkel leitet, sie kommen ins Gespräch, brechen dann unerwartet auf zu einer Tour, die schließlich bis nach Sizilien führt. Unterwegs immer wieder Flüchtlinge, am Brenner-Bahnhof, auf einem Parkplatz, auf Sizilien ein Mädchen im Fetzenkleid, das sich an sie heftet. Reither plötzlich in einer Art Kleinfamilie, auf der Suche nach seinem im Leben verpassten Glück.

Spannend auch der Stil, die Suche nach dem passenden Wort, der Verleger in ihm, der unpassendes anstreicht, aber dann trotzdem stehen lässt. Und es zog mich auch in seinen Bann, las es in wenigen Tagen durch. Ich kann es sehr empfehlen.

Diese Geschichte, die ihm noch immer das Herz zerreißt, wie man sagt, auch wenn er es nicht sagen würde, nur hier ausnahmsweise, womit hätte er sie begonnen? Vielleicht mir den Schritten vor seiner Tür und den Zweifeln, ob das überhaupt Schritte waren oder nur wieder etwas aus seiner Unruhe in ihm, seit er nicht mehr das Chaos von anderen verbesserte, bis daraus ein Buch wurde.

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