Dogville

Nach der Sommerpause schaute ich mal wieder im Schauspielhaus vorbei, das Stück war Dogville nach dem Film von Lars von Trier. Regie führte Stephan Kimming.

Eine junge Frau flieht unter ungeklärten Umständen und landet in einem kleinen Dorf am Fuß der Rocky Mountains. Die Bewohner sind erst skeptisch, doch der Schriftsteller Tom kann sie überzeugen, die Fremde (Grace) testweise für zwei Wochen aufzunehmen. Sie arbeitet je eine Stunde für jede der sieben Familien. Nach anfänglicher Skepsis schließen die Bewohner Grace in ihr Herz und erlauben ihr schließlich zu bleiben. Nachdem ein Polizist eine Belohnung für die Vermisste Grace angeboten hat, verschärft sich die Stimmung, Aggressivität, Missbrauch und Gewalt gegenüber Grace machen sich breit. Am Ende besuchen sie nachts alle Männer, um ihre Gelüste zu befriedigen, die Frauen verachten sie und selbst ihr Fürsprecher Tom wendet sich von ihr ab. Er ruft schließlich jene Telefonnummer an, die ihm einst ein Herr im schwarzen Anzug im großen Auto gab, für Hinweise zum Verbleib von Grace. Mehrere Wagen fahren ins Dorf, der Gangsterboss und Vater von Grace sucht das Gespräch mit ihr. Die Schüsse damals auf sie seien ein Missverständnis gewesen, er will sie bewegen zurückzukommen. Nach längerem Zögern willigt sie ein, nicht ohne vorher Befehl zu geben, das Dorf auszulöschen, was auch prompt geschieht.

Der Stoff ist eine düstere Sicht der menschlichen Natur. Die vermeintlich guten Dorfbewohner entpuppen sich als triebgesteuerte Hunde, die alles fressen, was sie zu fassen kriegen. Es hilft nur die Peitsche, Entschuldigungen für schlechtes Handeln zählen nicht. Die Flucht vor den Gangstern führt zu nur oberflächlich guten Menschen, denen einfach die Gelegenheit und Macht fehlt, ihre schlechten Seiten zu offenbaren.

Die Inszenierung war grandios, angefangen vom Bühnenbild mit Wänden, Stufen und Türchen auf allen Seiten, welches die dörfliche Enge perfekt symbolisierte. Dazu so viele gute Ideen, der Tanz bei den Gemeindeversammlungen, die mit Helium gefüllten Luftballons, der eine Schauspieler mit wechselnden Rollen, das extrem starke Ensemble – es wirkte alles wie aus einem Guss, leichtfüßig bei aller Tragik, verspielt trotz aller Gewalt. Es lohnt sich.