Cyrano

Die Freilichtspiele Chur präsentierten in diesem Jahr eine Inszenierung von Cyrano de Bergerac im Stadtgarten bei der Postremise.

Der Titelheld des Stücks ist ein wortgewaltiger Dichter, der auch mit seinem Degen geschickt umzugehen weiß. Sein großes Manko ist jedoch die riesige Nase. Er liebt seine Cousine Roxane, wagt jedoch nicht, ihr seine Gefühle zu gestehen. Als sie ihm offenbart, dass sie einen anderen liebt, ausgerechnet den einfältigen Christian de Neuvillette, entschließt sich Cyrano, ihm dichtend unter die Arme zu greifen. Es gelingt Christian schließlich, Roxanes Herz zu erobern und da auch noch der mächtige Graf Guiche ein Auge auf sie geworfen hat, heiraten die beiden rasch. Der Graf schickt daraufhin die Gascogner Kadetten inklusive de Neuvillette und de Bergerac an die vorderste Front. Trotz Belagerung schmuggelt Cyrano jeden Tag zwei Briefe an Roxane heraus, diese erscheint schließlich sogar persönlich bei den Eingeschlossenen. Sie gesteht Christian, dass sie ihn nicht nur wegen seines Äußeren liebe, sondern wegen seiner wunderschönen Seele, die sich ihr durch seine Briefe offenbart hätten. Dieser ist entsetzt, hat er sich die schöne Seele doch nur geliehen. Aber bevor er ihr die Wahrheit gestehen kann, fällt er im Kampf. Viele Jahre später erst erfährt sie die Wahrheit, als er ihr den vermeintlichen Abschiedsbrief von Christian vorliest, aber dies nur im Angesicht seines eigenen Todes, der ihn durch ein Attentat ereilt.

Die Inszenierung setzte auf eine eigenwillige Mischung unterschiedlicher Zeitebenen, Cyrano erschien im historischen Kostüm mit Degen, die meisten anderen traten jedoch mit moderner Kleidung auf. Den Text hatte man im Original gelassen, wäre bei dieser Reimform auch schwierig, daran zu rütteln. Überzeugt hat vor allem der Hauptdarsteller Peter Jecklin als Cyrano. Die Rolle machte ihm sichtlich Spaß. Die schöne Cousine Roxane (Charlotte Engelbert) war ein wenig eindimensional teeniehaft angelegt in ihrem Schwärmen für Christian. Nicolas Zogg verkörperte diesen als bodenständigen Bergburschen im breiten Bündner Dialekt. Der Höhepunkt des Stücks, als Christian unter Roxanes Balkon zu ihr spricht, dabei tatkräftig von Cyrano im Schatten unterstützt, kam im Stadtgarten wunderbar zur Geltung. Der zweite Teil mit dem Heerlager und der abschließenden Begegnung im Kloster zog sich dann doch beträchtlich, es wehte auch ein frischer Wind durch den Park.