Milo Rau – The Dark Ages

Milo Rau ist einer der bekanntesten Schweizer Theaterschaffenden. Gestern besuchte ich eine Aufführung von The Dark Ages, was er am Münchner Residenztheater entwickelt hat.

Fünf Menschen erzählen ihre Geschichte, drei davon handeln zur Zeit des jugoslawischen Bürgerkriegs. Es gab keinen roten Faden, lediglich Einblendungen von Akt-Titeln, derer es – analog zum klassischen Theater – genau fünf gab. Die fünf wechselten sich ab, die Kamera war auf ihr Gesicht gerichtet, welches auf einem riesigen Bildschirm in Schwarz-Weiß sichtbar war. Bei drei Leuten wurden deutsche Untertitel eingeblendet.

Bewegend waren die Geschichten und Schicksale dieser fünf Menschen, die Inszenierung war betont nüchtern. Zum Auflockern gab es ein paar Shakespeare-Zitate, Musik der slowenischen Gruppe Laibach, Zitate aus der Hamletmaschine. Anstrengend war es, bei 30 Grad in diesem Raum, und immerzu die Untertitel lesen, keine Pause. Die Darsteller sprechen von Mord und Totschlag, vom Verlust ihrer Angehörigen, von Konzentrationslagern, von einem kleinen Granatsplitter, der einen befreundeten Dichter in den Kopf traf und tötete, aber auch von Parties in Belgrad während des NATO-Bombardements, von Erbstreitigkeiten, dem Teufel in Person der Schwägerin – alles so gefasst und mit einem Lächeln.