Regie führen

Zurzeit besuche ich den Kurs Schauspielen unter Regieanweisung. Das Erarbeiten einer Szene ist ein künstlerischer Prozess, bei dem verschiedene Menschen naturgemäß verschiedene Vorstellungen haben werden. Und als Regisseur darf man diesen Prozess nun lenken und gestalten. Ein wesentliches Element der künstlerischen Arbeit sind die Regieanweisungen.

Laura Cheveley und Lord Goring, Foto Alexander Zipes

Szenenfoto aus meiner ersten Regiearbeit “Ein idealer Gatte”, Foto Alexander Zipes

Ursachen vs. Effekte

Wenn man sich eine Szene vorstellt, sind es vor allem die Effekte der Sätze und Situationen, welche einem präsent sind. Man ist überrascht, belustigt, erschrocken. Und genau diese Effekte versucht man nun den Schauspielern zu vermitteln – was ein Holzweg ist. Denn das Einstudieren von emotionalen Reaktionen zu bestimmten Zeitpunkten wird kein lebendiges Spiel erzeugen. Wirkungsvoller ist die ursachenorientierte Inszenierung. Statt plumper Effekte stellt man die Ursachen her, also vor allem die Handlungen.

Gute Regieanweisungen

Am besten sind Verben, die Aktionen beschreiben. Es ist immer möglich, etwas bestimmtes zu tun. Und außerdem hat man stets ein Ziel, man möchte etwas erreichen.

Durch Verben beschreibt man Handlungen, die der Schauspieler ausführen kann. Man stellt Ursachen her für die Entwicklung innerhalb der Szene.

Die elementaren W-Fragen zur szenischen Arbeit sind

  • Was will ich?
  • Warum will ich das?
  • Was tue ich, um das zu bekommen?
  • Welchen Preis würde ich bezahlen, um mein Ziel zu erreichen?
  • Bin ich bereit, mein Ziel mit allen Mitteln zu verfolgen?
  • Was steht mir im Weg?

Schlechte Regieanweisungen

Und ja, ich habe das alles gemacht und fand es sinnvoll.

  • Emotionale Landkarten (an der Stelle bist du wütend, bei dem Satz dann freudig überrascht, am Ende traurig)
  • Grundsätzlich gut. Aber nimm das zurück, mach es kleiner.
  • ein bisschen…
  • Zu lange und intellektuelle Ausführungen
  • Ich sehe die Figur so…