SOLA-Stafette 2015, das Rennen

Heute bin ich zum ersten Mal bei einem großen Laufwettbewerb dabei gewesen, der SOLA-Stafette rund um Zürich. Gemeinsam mit 13 sportlichen Arbeitskollegen von Comparis rannten wir eine Gesamtstrecke von 116 km. Insgesamt waren 903 Teams am Start.

Berichten kann ich nur von meiner Strecke, der Nummer 8. Da es ein Neustart war, sah ich meine Vorläuferin leider nicht. Statt des klassischen Staffelstabs erhielt ich ein gelbes Armband, dieses musste ich am Ziel der nächsten Läuferin übergeben. Die Zeitmessung geschah durch moderne Technik, auf dem Startnummern-Blatt waren noch zwei Chips aufgeklebt, mit denen wurde automatisch und berührungslos meine Zeit gemessen. Und die kann sich sehen lassen, mit 35:40 Minuten erreichte ich das Ziel am unteren Ende des angegebenen Bereichs. Und drei Minuten schneller als beim letzten Trainingslauf. Die Schnellsten liefen die Strecke in 21 Minuten, keine Ahnung, wie das gehen soll. Und die langsamsten brauchten eine reichliche Stunde.

Meine individuelle Vorbereitung begann bereits um 11 daheim mit den Red Hot Chili Peppers. Dann umziehen, die Tasche mit Gepäck vorbereiten, die vom Veranstalter an den Zielort transportiert wurde und los zum Campus. Kaum im Park angekommen, versperrten mir Bänder den Weg, genau dort war der Zieleinlauf der Etappe 7. Zum Glück waren noch keine Läufer in Sicht, so dass eine Ordnerin mich durchließ. Immer mehr Läufer mit den obligatorischen SOLA-Startnummern liefen herum, einige bereiteten sich vor, andere saßen in den blauen Liegestühlen, Familien mit Kindern, weiße Zelte der Sponsoren und vom Veranstalter, Volksfeststimmung am Irchel. Ein Moderator kündigte das Eintreffen der ersten Läufer an, die Zielgerade war genau auf dem Promenadenweg zwischen dem Teich und den Treppen, welche zum Campus hinauf führen. Ich suchte die Gepäckabgabestation, die sich unten in der Tiefgarage befand. Es war ein begehbarer LKW mit nach Startnummernbereich sortierten Boxen. Dann noch schnell auf Toilette, die Nervosität wuchs immer mehr, ich war nicht der einzige, vor dem Männer-WC bildete sich eine Schlange. Dann schnell zum Startfeld, auf einer Wiese vor dem Bibliotheksgebäude versammelten sich alle Läufer, ich ging ungefähr in die Mitte.

Einstimmung durch den Moderator, eine japanische Trommelgruppe sorgte für spannende Rhythmen, wir hüpften ein wenig herum, streckten unsere Arme hoch, die Uhr zählte unerbittlich runter, dann der Startschuss. Es dauerte einige Sekunden, ehe sich das Feld in Bewegung setzte. Und so richtig flott kam ich anfangs auch nicht voran. Zu viele Leute, der Weg verengte sich, einige rannten durchs Gras, um zu überholen, ab und zu musste ich auch abbremsen, um eine Kollision zu vermeiden. Es ging ebenerdig los, Richtung Haltestelle Universität Irchel, dann links hoch zum Strickhof, nicht steil, aber doch ein Anstieg. Das steilste Stück folgte dann auf der Krattenturmstrasse hoch zum Theater Rigiblick. Das Feld hatte sich schon einigermaßen sortiert. Es war schon ein wenig deprimierend, vor mir noch hunderte andere Läufer in einer langen Schlange zu sehen. Aber hinter mir waren ja auch noch viele, nur die sah ich halt nicht. Wäre wohl motivierender gewesen, rückwärts zu laufen.

Kurz vor dem Theater Rigiblick bogen wir links ab auf einen immer noch ansteigenden, breiten Waldweg. Langsam merkte ich meine Beine, sie fühlten sich schwer an, kein gutes Zeichen bei der zeitlichen Hälfte. Der Weg ging jetzt abwärts, rüber zum Waldhüsli und dann Richtung Zoo. Eine lange Gerade, auf der ich mir langsam vorkam, wurde einige mal überholt. Dann kurz auf die Straße, es geht wieder hoch, links rein in den Wald, mehr oder weniger der letzte Kilometer. Ich litt schon etwas, vor allem dann auf dem ASVZ-Gelände mit noch zwei kleinen Rampen hoch zur Laufbahn. Und dann erschien plötzlich – wie ein Engel – meine Nachfolgeläuferin Livia rechts neben mir, ich war kurz überrascht, hatte das irgendwie weiter vorn erwartet, doch dann gab ich ihr einfach das gelbe Armband und sie sprintete los. Und ich ließ mich ins Gras sinken, geschafft, einfach durchatmen. Plötzlich bleibt jemand stehen, eine vertraute Silhouette, mein Arbeitskollege Volker hielt sein Handy auf mich gerichtet und fotografierte oder filmte. So wird meine Erschöpfung der Nachwelt erhalten bleiben.

Eigene Messung mit GPS-Uhr

Distanz
6,22 km
Zeit
35:40 (Minuten:Sekunden)
Durchschnittl. Geschwindigkeit
5:44 min/km
Positiver Höhenunterschied
200 m

Offizielle Messung

Distanz
6,34 km
Zeit
34:54 (Minuten:Sekunden)
Etappen-Rang
497 (von 903)
Gesamt-Team-Rang
611 (von 903)