En garde!

Zum ersten Mal stehen wir uns gegenüber, jeder mit einem Degen in der Hand und dem festen Willen, den anderen zu treffen. Vergessen sind die Manöver, die wir gelernt haben, Kreiselbewegung, Paraden zur Seite, wir fuchteln wild drauflos und preschten vor, Anfänger halt. Es ist warm unter der dicken Fechtjacke und dem Kopfschutz, noch nie habe ich so geschwitzt bei diesem Sport. Die ersten beiden Trainings waren noch relativ entspannt gewesen, ein bisschen Badminton zum Aufwärmen, Einführung in Ausrüstung und Fechtwaffen (Degen, Florett, Säbel), Beinarbeit – Schritt vor, Schritt zurück, Kreuzschritt, Ausfallschritt –, ein paar Fechtbewegungen, zu zweit lange trainieren. Zuerst sehr langsam, Angriff, Parade, Gegenstoß. Und selbst dann ist es gar nicht so einfach, vor allem, wenn man den Arm treffen möchte. Der Körper ist noch ein relativ großes Ziel, aber den Arm erwischt man nicht so leicht, ein moving target im wahrsten Sinne. Aber der Arm ist so schön weit vorn, da kommt man viel leichter ran und 70% der Angriffe gehen darauf.

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Seit Ende Oktober trainiere ich Fechten beim Fechtclub Zürich Nord. Acht Lektionen dauert die Einführung, danach kann man sich entscheiden, ob man in den Club eintreten möchte.

Es sind feine Bewegungen, die wuchtigen Paraden macht man sicher nur als Anfänger. Und dann sind es kleine Dinge, die den Ausschlag geben, ein Knie ragt zu weit vor, der Arm ist offen, der Angriff entblößt die andere Seite, blitzschnell geht das. Wie mir einer der Alteingesessenen mitteilte, braucht man Kondition, Technik und taktisches Verständnis. Nur rumfuchteln bringt nichts, man braucht ein Ziel, Finten und starke Handgelenke.