Mariano Pensotti – Cineastas

Ein kultureller Höhepunkt in Zürich ist das alljährliche Theaterspektakel an verschiedenen Spielorten rund um den Zürichsee. Internationale Gruppen präsentieren ihre Werke, gezeigt werden zeitgenössische Werke aus den Bereichen Theater, Tanz, Musik, Performance.

Dieses Jahr schaute ich mir Cineastas vom argentinischen Regisseur Mariano Pensotti an. Vordergründig wird die Geschichte von vier Filmemachern erzählt, die gerade an einem Projekt arbeiten. Gleichzeitig sieht man auch Ausschnitte aus dem Film, an dem sie gerade arbeiten. Wendungen in ihren persönlichen Schicksalen haben Einfluss auf das Schicksal der Filmcharaktere. Und so sieht man die gleichen fünf Schauspieler in acht verschiedenen Geschichten, die im schnellen Wechsel erzählt werden. Und es hat für mich funktioniert, mit wenigen Requisiten und Umbauten werden die Orte definiert und die Schauspieler wechseln ihre Rollen. Unglaublich lustig waren die Ausschnitte aus russichen Musikfilmen, die eine Filmemacherin im Rahmen eines Dokumentarfilms untersuchte.

Doch der Abend hatte auch jenseits der reinen Handlungsebene viel zu bieten. Es ging um die Frage nach der Wechselbeziehung von Menschen und ihren – in dem Fall filmischen – Werken. Unsere Wahrnehmung der Welt beruht auf Fiktionen, Städte haben jeweils für sie typische Geschichten, die wir aus Filmen kennen. Das Liebespaar in Paris, der Wallstreet-Banker in New York, Mission Impossible im Kreml, es sind typische Szenen und Musikstücke, mit welchen diese Orte eingeführt werden und haften bleiben. Und so sind wir alle durch diese Fiktionen beeinflusst, auch die Filmemacher, die nun ihrereseits neue Fiktionen erschaffen. Ein weiteres Thema war die Unmöglichkeit des Festhaltens, gezeigt am Beispiel eines todgeweihten Filmemachers, dessen Film sich immer mehr entwickelt, von einer Komödie zu einer Dokumentation ihm wichtiger Gegenstände, Orte und Momente. Doch dieser Versuch ist zum Scheitern verurteilt, die Produzenten engagieren heimlich einen neuen Regisseur, der das ursprünglich geplante Drehbuch umsetzt.

Ich habe dieses Stück sehr genossen und kann es weiterempfehlen.