Frederick Knott – Bei Anruf Mord

Ungefähr einen Monat ist es her, dass wir in Basel die letzte Aufführung des Idealen Gatten feierten. Und so langsam gehen die Gedanken in Richtung nächstes Stück bei den Dramateuren. Wir lesen jetzt einige Stücke für vier bis sechs Leute, in diesem etwas kleineren Rahmen soll die nächste Produktion stattfinden, Kammertheater im Kellertheater sozusagen.

Ein Kandidat ist der Krimiklassiker Bei Anruf Mord. Bekannt ist vor allem die Verfilmung von Alfred Hitchcock aus dem Jahr 1955 mit Grace Kelly, Ray Milland, Robert Cummings, John Williams und Anthony Dawson.

Ich fand es gut zu lesen, die Spannung baut sich ganz allmählich auf. Es gibt schon am Anfang einige Andeutungen auf das Thema perfekter Mord, da Max Krimiautor ist, außerdem ehemaliger Geliebter der Ehefrau – zwei Fliegen mit einer Klappe. Und da der Mordplan dem Zuschauer schnell bekannt wird, erhalten alle folgenden Szenen eine ungeheure Brisanz. Kann Tony seine Frau überreden, zu Hause zu bleiben, damit sein Plan aufgeht? Gerade seine Rolle ist durch dieses Mitwissen des Zuschauers ungeheuer faszinierend. Man merkt dem Text jedoch seine manchmal holprige Übersetzung aus dem Englischen an, da gibt es noch einiges zu tun. Und auch die Entstehung in den 1950ern lässt sich nicht leugnen, das Frauenbild ist aus dieser Zeit und auch die Smoking-Abend-Eleganz. Am Ende ist es aber eine Inszenierungsentscheidung, in welcher Zeit man das Stück ansetzt.

Grundsätzlich kann ich mir das Stück gut im Keller vorstellen, es ist für einen Raum gemacht, die Enge unterstützt das Thema. Bekannte Krimis locken außerdem viele Zuschauer, was sicher auch ein Faktor bei der Stückauswahl sein dürfte. Die Frage ist, ob wir mit den bereits fest stehenden Schauspielern gut passen.