Peer Gynt (Regie Antú Romero Nunes)

Es ist schön, wenn man ein vertrautes Stück in einer neuen und noch dazu spannenden Inszenierung sieht. Peer Gynt kannte ich nach der dramateure-Inszenierung recht gut, welche ich am Licht- und Tonpult unterstützte.

Schon bei der dramateure-Inszenierung wechselten die Rollen, die gleiche Schauspielerin verkörperte Solveig und Aase. In der Inszenierung von Antú Romero Nunes wurde dieses Prinzip auf die Spitze getrieben, lediglich drei Schauspieler waren nötig für die insgesamt an die zehn Rollen. Außerdem wurden die Umbauer aktiv einbezogen, sie waren Teil der Inszenierung. Und auch wir als Publikum konnten mitbestimmen, für eine improvisierte Geschichte am Beginn durften wir drei Begriffe vorgeben. Ich brachte die Zwiebel ins Spiel, welche von den Schauspielern dankend aufgenommen wurde. Und so konnte Peer (Nils Kahnwald) seine beiden Bühnenpartner (Henrike Johanne Jörissen, Michael Goldberg) gleich in bester Peer’scher Manier übertönen und eine tolle Geschichte erzählen. Was ihn als Charakter perfekt einführt.

Die Inszenierung war modern, mit beweglichen Kästen, in denen Leute verschwanden, mit vielen Leuchtstoffröhren, Mikrofonständer-Wald, einer längeren Videosequenz für die Szenen außerhalb von Norwegen und Kostümwechseln auf der Bühne. Peer Gynt wurde als fantasievoller, charmanter Wahnsinnger gezeigt, der die Realität nicht an sich ran lässt. Der Geschäftsmann, Sklavenhändler und Prophet kam nicht so durch, die Szene mit Anitra wurde sehr verändert in die Videosequenz eingebaut. Während dieser rannte er nackt durch die Umgebung des Schiffbaus, nachts bei Regen und mitten unter Leuten. Des Kaisers neue Kleider ließen grüßen, aber Kaiser wollte er ja werden, von allen Ländern zugleich.

Ich fand es gelungen, es entsprach meiner minimalistischen Ader. Ist aber sicher Geschmackssache, für Freunde traditioneller Inszenierungen ist es nichts.