Laguna 69

Die Wanderung zum See 69 ist einer der schönsten Tagesausflüge von Huaraz aus. Früh um sechs holte mich ein robuster Bus vom Hotel ab. Wir fuhren anderthalb Stunden auf asphaltierten Straßen, danach bog unser Fahrer auf eine holprige Gebirgspiste ab. Für eine weitere Stunde wurden wir durchgeschüttelt, unterbrochen von einem kurzen Frühstück und einem Fotostopp an einem wunderschönen See.

Plötzlich hielten wir wieder, in einer unscheinbaren Kurve, die Wanderung begann. Wir liefen ein paar Meter bergab, an einem weiß schäumenden Gebirgsbach entlang und durch Wald. Die Baumgrenze liegt hier über 4000. Vor uns lag ein weites Tal, in dem ein paar Zelte und Wellblechhütten standen, Maultiere und Pferde grasten, der Startpunkt einiger Touren in der Gegend.

Der Weg verlief relativ flach, zwei Anstiege waren zu bewältigen. Die Alpen sind steiler, aber das Hauptproblem war natürlich die Höhe von reichlich 4000m. Ich fühlte mich gut akklimatisiert und wählte einen ruhigen, aber beständigen Schritt. Mein Herz pumpte ganz schön, speziell auf dem letzten Anstieg, aber ich konnte mein Tempo durchhalten und erreichte als Erster der Gruppe den See 69.

Er war tiefblau, ein schmaler Wasserfall sprudelte auf der anderen Seite, schneebedeckte Berge flankierten den See. Ein traumhafter Anblick, ich musste mich aber erstmal setzen, was essen, atmen. Gelegentlich war mir schwindlig, ich war schwach auf den Beinen. Die Höhe.

Laguna 69, Peru

Nach und nach trudelte die Gruppe ein. Die Letzte war eine Koreanerin, der die Höhe extrem zusetzte. Der Guide hatte sich ihrer angenommen, irgendwie hatte sie es aber dann doch zum See geschafft. Es war ihr dritter Tag in Peru, ein idiotisches Unterfangen, so rasch in diese Höhe zu wandern.

Ein anderer Deutscher traf uns am See, er hatte den Pisco (5700m) besteigen wollen, musste aber wegen Höhenkrankheit aufgeben. Es dauert eine Weile, sich wirklich an die Höhe zu gewöhnen, man spricht von einer Woche. So hoffe ich, dass ich ausreichend gewappnet bin für die nächsten Wanderungen. Morgen geht es los zum Santa Cruz, danach schwebt mir noch der Huayhuash vor.