Juanita

Im letzten Raum traf ich sie – Juanita. Sie war jung und wunderschön. Ihr Vater stammte aus Panama und ihre Mutter aus Puno, einer Stadt am Titikaka-See. Sie sagte nichts, kauerte im Raum, den Blick stur geradeaus gerichtet. Sie hatte große Zähne und volle Lippen. Und sie war Bergsteigerin. Ihre letzte Tour war von Cuzco auf einen 6000er nördlich von Arequipa, sie brauchte mehrere Monate dafür. Und dann wurde sie umgebracht, als Opfer für die Götter, welche die Inka in den Bergen sahen. Juanita ist jetzt die Hauptattraktion in einem Museum in Arequipa, man nennt sie die Eisprinzessin.

Ein Zufall wollte es, dass kurz nach dem Tod von Juanita eine Eiskappe ihre sterblichen Ueberreste konservierte. Und ein weiterer Zufall ließ 1995 einen Vulkan ausbrechen, der diese Eiskappe wegschmolz und einem Team von Archäologen den spektakulären Fund ermöglichte. Man hat ein gutes Dutzend dieser geopferten Kinder gefunden, aber keines ist besser erhalten als Juanita. Das Gesicht hat durch Sonneneinstrahlung gelitten, aber die Forscher konnten ihre DNA analysieren, fanden Mateblätter und Maisbier in ihrem Magen, konnten Krankheiten in ihrer Kindheit ausschließen, stießen auf eine Schädelfraktur, welche wohl der letzte Moment ihres 14-jährigen, todgeweihten Lebens war. Doch es war auch eine Ehre und die Wiedergeburt war ihr sicher.

Eine spannende Begegnung.