Produktionsvorbereitungen

Im Herbst wird die neue dramateure-Produktion Ein idealer Gatte (Oscar Wilde) starten. Zum ersten Mal werde ich Regie führen, eine große Herausforderung für mich und wohl auch für alle Beteiligten. In diesem Artikel möchte ich einige vorbereitende Schritte erklären, die notwendig sind, damit eine Theaterproduktion starten kann.

Stückauswahl

Mir persönlich schwebte dieses Stück schon länger vor. Ich habe es dann im Rahmen einer szenischen Lesung gemeinsam mit Schauspielfreunden ausprobiert. Es kam gut an, wir haben viel gelacht. Während der Lesung hatte ich auch schon ein gutes Ensemble beisammen, die meisten passten recht gut zu den Rollen. Und so entschloss ich mich, dieses Stück auszuwählen.

Die Übersetzung passte jedoch nicht so gut. Es war eine sehr direkte Übertragung aus dem Original mit etlichen handlungsarmen Dialogen, welche die Gepflogenheiten der Gesellschaft ins Lächerliche ziehen. Diese Stellen haben natürlich einen gewissen Witz, jedoch ist dieser für ein heutiges Publikum nicht mehr so gut nachzuvollziehen. Also forschte ich nach anderen Übersetzungen. Gut erinnerte ich mich an die Jelinek-Übersetzung, die Zürcher Produktion hatte diese verwendet. Jelinek hat das Stück auch komplett übersetzt, alle gesellschaftskritischen Andeutungen ins Heute übertragen und an vielen Stellen Text hinzugefügt. Als anderen Kandidaten fand ich noch eine Übersetzung von Rainer Kohlmeyer.

Original

LORD CAVERSHAM. Good evening, Lady Chiltern! Has my good-for-nothing young son been here?

LADY CHILTERN. [Smiling.] I don’t think Lord Goring has arrived yet.

MABEL CHILTERN. [Coming up to LORD CAVERSHAM.] Why do you call Lord Goring good-for-nothing?

LORD CAVERSHAM. Because he leads such an idle life.

MABEL CHILTERN. How can you say such a thing? Why, he rides in the Row at ten o’clock in the morning, goes to the Opera three times a week, changes his clothes at least five times a day, and dines out every night of the season. You don’t call that leading an idle life, do you?

Rausch/Jelinek

LORD CAVERSHAM: Abend, Lady Chiltern! Mein faules Weichei von Sohn zufällig da?

LADY CHILTERN: (lächelt) Falls Sie Lord Goring meinen – ich glaube nicht, dass er schon da ist. Aber wenn, dann sicher nicht zufällig.

MABEL CHILTERN: (geht auf Lord Caversham zu) Wieso sagen Sie Weichei zu Ihrem eigenen Sohn?

LORD CAVERSHAM: Weil dermaßen faul. Stinkfaul. Feig zusätzlich. Aber speziell faul. Hätte lieber einen von der härteren Sorte. Mit mehr Saft drin. Hat für nichts einen Sinn und sieht auch in nichts einen. Nirgends.

MABEL CHILTERN: Also Sinne hat er, glaub ich, schon. Ich habe sogar einmal kurz einen Sinn von ihm gesehen. Ist gerade vorhin vorbeigehuscht. In sinnloser Hast. Es wollte ihn eh keiner. Er war nur kurz im Bild, ich meine den Sinn, nicht Ihr Sohn. Wie können Sie sohnesmäßig nur so reden? Nur weil man faul ist, ist man noch lange kein Weichei! Er sitzt doch jeden Tag schon um zehn auf seinem Pferd, das auch recht fleißig ist. Dreimal die Woche abends Oper, mindestens fünfmal am Tag Kleiderwechsel und die ganze Saison jeden Abend mindestens zweimal Dinner außer Haus. Sowas nennen Sie faul? Ich bin ja schon vom Aufzählen halb tot.

Kohlmeyer

LORD CAVERSHAM Ist mein Sprössling immer noch nicht da, dieser Taugenichts? Ich habe ein Wörtchen mit ihm zu reden.

LADY CHILTERN Soweit ich weiß, ist Lord Goring noch nicht eingetroffen.

MABEL Weshalb nennen Sie ihn Taugenichts?

LORD CAVERSHAM Weil er ein so faules Leben führt.

MABEL Wie können Sie nur so etwas sagen? Jeden Morgen um zehn galoppiert er durch den Hydepark, dreimal die Woche geht er in die Oper, zieht sich täglich mindestens fünfmal um, und während der Saison diniert er jeden Abend woanders. Alles andere als ein faules Leben, meine ich.

Ich entschied mich für die Kohlmeyer-Übersetzung, sie ist präzise und kurz. Die Schauspieler wird das hoffentlich freuen, bedeutet es doch weniger Text zum Auswendig-Lernen.

Räumlichkeiten

Die Probe- und Aufführungsräumlichkeiten waren das größte Problem. Im Kellertheater wollte ich ungern proben, im Winter ist es dort kalt und dunkel. Nach längerem Suchen fand ich schließlich bei mir um die Ecke die Pfarrei Bruder Klaus, im Pfarrhaus gibt es eine große Bühne und Gruppenräume. Als externe Gruppe müssen wir natürlich den Gemeindeaktivitäten den Vortritt überlassen, aber es sind schöne und bezahlbare Räume.

Damit sind die wesentlichen Puzzlesteine beisammen, die Produktion kann starten.