Wahrhaftigkeit auf der Bühne

Das Ziel jeder schauspielerischen Darstellung ist Wahrhaftigkeit. Ich möchte in diesem Beitrag vor allem die Wahrhaftigkeit beim Auftritt und Abgang beleuchten.

So einfach das Ziel der Wahrhaftigkeit klingt, so schwierig ist das in der alltäglichen Theaterarbeit. Denn die Basis für eine Szene ist der Text, also meist nur der Dialog. Was tut der Schauspieler? Er läuft auf die Bühne, bleibt stehen und spricht seinen Text. Das ist nicht wahrhaftig, denn normalerweise läuft man nicht irgendwohin, nur um etwas zu sagen.

Es gibt immer einen Grund, wohin zu gehen. Wir suchen etwas, wollten die Blumen gießen, abwaschen, den Rucksack holen, einkaufen gehen, Papa was fragen, allein sein, fernsehen… Im Theater steht dieser Grund meist nicht im Text, wir müssen ihn suchen, eine Wirklichkeit erschaffen.

Ein anderer Aspekt ist der Auf- und Abgang. Wir sind da mit unserer Inszenierung in der Töpferei in einer etwas speziellen Lage. Da es keine seitlichen oder hinteren Auf- und Abgänge gibt, werden wir diese mit Hilfe von Paravans gestalten. Dadurch sind wir aber gezwungen, die räumliche Tiefe eines Treppenhauses – wo die meisten Gespräche stattfinden – zu schaffen. Bei einem Auftritt sollen wir auf der Stelle treten und dabei immer lauter werden, bis wir den normalen Geräuschpegel erreicht haben. Dann werden wir bis zum Auftritt auch etwas Strecke zurücklegen, damit es nicht seltsam aussieht.

Der Auftritt beginnt nicht erst dann, wenn die Zuschauer uns sieht. Es geht schon einige Zeit vorher los, mit der emotionalen Vorbereitung und dem Beginn der Bewegung. Auch hier ist Wahrhaftigkeit das Ziel, also nimmt man es dem Schauspieler ab, dass er unter den gegebenen Umständen so auftreten oder abgehen würde.