Bühnenrealität

Die Hauptaufgabe des Schauspielers besteht darin, den gleichen, einstudierten Ablauf immer wieder so zu erleben, als wäre es das erste Mal. Das trifft für den Text zu, den man immer wieder neu entstehen lassen muss, aber auch für die Emotionen.

Gestern, zur gefürchteten zweiten Aufführung von Ich, treu, suche habe ich die Tipps eines Schauspielkollegen bewusst umgesetzt.

  1. Den Text nicht antizipieren, sondern im richtigen Moment kommen lassen.
  2. Bewusst zuhören.
  3. Offen sein für das Spezielle dieses Abends.
  4. Die Zuschauer auslachen lassen.
  5. Sätze mal leicht anders betonen, neu interpretieren.

Und es funktioniert! Zugegeben, wir hatten auch ein sehr angenehmes Publikum, der erste Lacher kam sehr früh und brach das Eis. Und mit Zuschauerreaktionen spielt es sich schon leichter. Aber jeder Abend ist ein wenig anders und wenn man sich darauf konzentriert, fällt es leichter, die Spannung aufrecht zu erhalten. Und so konnten wir auch den gefürchteten Einbruch zur zweiten Vorstellung verhindern, der nach der großen Anspannung zur Premiere gelegentlich auftritt.