Maxim Gorki – Kinder der Sonne

Spontan entschied ich mich, an die Premiere von Kinder der Sonne zu gehen. Es war das erste Stück von Maxim Gorki, welches ich sah. Der Name war mir als in der DDR aufgewachsener ein Begriff, aber gelesen hatte ich bislang noch nichts von ihm.

Zum Stück

Im Stück geht es um die Bewohner und Besucher eines Stadthauses, allesamt Wissenschaftler, Künstler und Intellektuelle. Sie philosophieren über das Wesen des Menschen und träumen von einer glorreichen Zukunft, symbolisiert durch das Gemälde eines Schiffes, auf dem entschlossene, kühn dreinblickende Leute gen untergehende Sonne fahren. Diesen Kindern der Sonne gehöre die Zukunft, für alle anderen ist kein Platz auf diesem Gemälde. Zugleich wütet draußen die Cholera und es gibt Unruhen. Die markanteste Figur ist die des Chemikers Páwel Fjódorowitsch Protássow, der das Geheimnis des Lebens verstehen und im Reagenzglas nachbilden will. Für seine Frau Jeléna Nikolájewna hat er keine Zeit, er vertröstet sie stets auf die Abendstunden. Und so bleibt er das ganze Stück auf seine Arbeit fixiert und nimmt beinahe amüsiert zur Kenntnis, dass ihm die reiche Witwe Melánija ihre Liebe gesteht und mit dem Maler Dimítrij Sergéjewitsch Wágin ein Mann auftaucht, der ihm mitteilt, dass er seine Frau liebt. Er versteht von diesen Dingen nichts und hält sie für überflüssig. Eine weitere unglückliche Liebe spielt sich zwischen Páwels Schwester Lísa und dem Tierarzt Bóris Nikolájewitsch Tschepurnói ab. Obwohl sich beide eigentlich zugetan sind, können sie doch nicht zueinander finden, Bóris bringt sich schließlich um.

Insgesamt erinnerte mich das Stück sehr stark an Onkel Wanja von Anton Tschechow. Dort wie hier intelligente, selbstbezogene, unglücklich verliebte Menschen und die sich nicht auflösende Verstrickung. Es bleibt alles, wie es war, während sich gleichzeitig eine Umwälzung andeutet, die das Ende dieser Gesellschaftsschicht bedeutet.

Inszenierung

Daniela Löffler inszeniert das Stück als stellenweise überzeichnete Tragikkomödie. Die Bühne wurde von gelben Bienenwabenwänden begrenzt, durch Wechsel der Beleuchtung wurde gelegentlich die Sonne sichtbar. Am Ende schmolzen die Bienenwaben durch die Sonne dahin, die Revolution frisst ihre Kinder. Als Amateurtheater kann man von sowas nur träumen.

Die Bühne selbst war leer zu Beginn, die Schauspieler brachten alles mit, was sie brauchten. Überhaupt saßen die Schauspieler alle in der ersten Reihe, damit gab es keinerlei seitliche Auf- und Abgänge. Eine tolle Idee für Bühnen ohne seitliche Zugänge! Schön war auch die musikalische Untermalung, russische Lieder mit Gitarrenbegleitung sind einfach wunderbar und geben dem Zuschauer Atempausen.