Einer flog über das Kuckucksnest

Seit 1967 führt die Theatergruppe r67 auf – ein beeindruckendes Beispiel für die Langlebigkeit kultureller Institutionen. Gestern war ich in ihrer aktuellen Produktion, sie spielten Einer flog über das Kuckucksnest. Der 1975 herausgekommene Film von Miloš Forman mit Jack Nicholson in der Hauptrolle ist wohl den meisten bekannt. Und so ist es äußerst tapfer zu nennen, einen derart bekannten und gelungenen Film mit den Mitteln des Theaters umzusetzen.

Einen ersten Negativpunkt gibt es für Schweizerdeutsch als Bühnensprache. Es mag an meinem deutschen Hintergrund liegen, aber ich hatte an einigen Stellen wirklich Mühe, dem Stück zu folgen. Es ist sicher leichter für die Schweizer Schauspieler, wenn sie in ihrer Muttersprache reden können, aber für den Zuschauer ist es einfach schwerer zu verstehen. Und außerdem ist es ein sehr amerikanisches Stück, was anhand der Namen, des Häuptlings und der Sportarten recht deutlich herauskommt. Da wirkt es einfach irritierend, dies alles in Schweizerdeutsch zu hören.

Einen Verrückten zu spielen ist eine große schauspielerische Herausforderung. Im Grunde sollte man bei jeder Rolle einen spezifischen Tick entwickeln, eine eigene Körpersprache und besondere Gesten. Bei einem psychisch Gestörten ist der Tick natürlich viel stärker ausgeprägt. Und das über eine lange Zeit auf der Bühne durchzuhalten ist anstrengend und bedarf eines hohen Maßes an Konzentration und Können. Von den Verrückten-Darstellern überzeugte mich nur Thom Küng als Cheswick. Die anderen fielen häufig aus ihrer Rolle oder waren zu unscheinbar im Vergleich zum Film.

Nicht so gelungen waren auch die physisch anspruchsvollen Szenen. Als McMurphy die Schwester würgt, wurde ihr Schreien über Lautsprecher eingespielt, irgendwie schade. Auch das Ersticken mit dem Kopfkissen am Ende war so lieblos hingewischt und viel zu schnell abgewürgt durch einen an dieser Stelle völlig deplatzierten Harding.

Aber ehe ich hier all zu negativ werde, möchte ich auch die schönen Szenen würdigen. Der Auftritt der Mädels, das imaginäre Baseball-Spiel, die Basketball-Szene, der Machtkampf zwischen McMurphy und Schwester Ratched – das war schön anzuschauen. Auch die Zwischenspiele mit dem stummen Häuptling, der mit seinem Vater spricht waren originell inszeniert.