Wohnungssuche in Zürich

Wohnungen sind rar in Zürich, offiziell gab es im Jahr 2011 nur 120 leerstehende Wohnungen (Leerwohnungszählung). Und ich will gar nicht wissen, was das für Wohnungen sind. Auf jeden Fall führt dieser akute Mangel zu Erscheinungen, wie sie mir als ehemaligem DDR-Bürger nur zu vertraut sind.

Schlangen

Die offiziell ausgeschriebenen Wohnungen (z.B. auf homegate.ch) erfahren regen Zuspruch, nicht selten treffen sich bis zu 50 Leute bei einer Besichtigung. Dort füllt man dann ein Bewerbungsformular aus, gibt also Kinder, Arbeitgeber, Jahreseinkommen, Musikinstrumente, Grund für den Wohnungswechsel, Zivilstand, Ausländerausweis und Kontaktdaten an. Zusätzlich braucht man noch einen Auszug aus dem Betreibungsregister. Dieser ist dann leer, wenn keinerlei Zwangsvollstreckungen gegen einen laufen.

Bei der Wohnungsverwaltung landen dann 50 Bewerbungen und die gestresste Dame darf einen glücklichen Kandidaten auswählen. Die Kriterien sind wahrscheinlich Bonität und Bedürftigkeit. Bei großen Wohnungen können auch mitgebrachte Kinder das Zünglein an der Waage sein.

Aber im Grunde weiß man es nicht. Es hängt total von der entscheidenden Person ab, von deren Erfahrungen mit Ingenieuren, Deutschen, Eltern, Klavierspielern. Der Vergleich mit der ostdeutschen Schlange vor Geschäften mit begehrten Artikeln ist aber eigentlich unpassend, denn nur einer erhält die Wohnung. Alle anderen gehen durch diese Prozedur und erhalten eine Absage oder hören gar nichts.

Vitamin B

Genau wie in der DDR-Mangelwirtschaft spielen persönliche Beziehungen die entscheidende Rolle. Denn auch für die Anbieter von Wohnungen ist der große Ansturm kein Vergnügen. Besser ist es doch immer, man kennt jemanden. Ein Großteil der Wohnungen wird vermutlich auf diesem Weg vergeben.

Belohnung

Ein Kollege von mir nutzte eine andere Taktik. In der von ihm gewünschten Gegend hing er Plakate auf und stellte eine Vermittlungsprämie in Aussicht. So bekam er eine sehr schöne Wohnung in zentraler und ruhiger Lage.

Persönliche Erfahrungen

Ich werde in Kürze meine dritte Wohnung beziehen. Damit liegt meine Erfolgsquote bei 75%, mit insgesamt vier Besichtigungen konnte ich drei Wohnungen ergattern.

Die erste vermittelte mir mein Vorgänger am Lehrstuhl. Er wollte damals nach München ziehen und brauchte einen Nachmieter. Und so schlug er mir während meiner Einarbeitungswoche vor, seine Wohnung zu übernehmen. Die Hauswartsfamilie war einverstanden und die erste Wohnung im schönen Witikon war mein.

Als ich mich dann wegen des Berufs näher am Bahnhof ansiedeln wollte, stieß ich auf dieses homegate-Inserat einer 2er-WG in einer großzügigen 5-Raum-Wohnung. Ich schrieb zwei Emails, kam vorbei und erhielt an Ort und Stelle die Zusage.

Für meine baldige Bleibe brauchte ich zwei Besichtigungen, hatte aber noch vier weitere Termine vereinbart. Die zweite Besichtigung kam durch einen Arbeitskollegen zustande, der von meinem Wunsch erfuhr und dessen Vater gerade einen Mieter suchte. Ich rief an, war abends pünktlich zur Stelle und erschien mit Anzug, Krawatte und Mantel – nach fünfzehn Minuten hielt er mir den Vertrag hin. Die anderen Bewerber mussten draußen warten und bekamen kurzerhand mitgeteilt, dass die Wohnung bereits vergeben sei.

Tipps und Tricks

  • Professionelles Auftreten, gepflegte Erscheinung
  • Antrag persönlich bei Verwaltung abgeben
  • Allen Leuten davon erzählen
  • Pünktlich zur Besichtigung sein, möglichst sogar etwas eher
  • Plakate/Zeitungsinserate mit Vermittlungsprämie im Zielgebiet platzieren