Onkel Wanja – Erste Szenenprobe

In der aktuellen dramateure-Theaterproduktion “Onkel Wanja” konnten wir gestern die erste Szenenprobe erleben. Im Dezember hatten wir in Leseproben das Stück Seite für Seite in unseren Rollen durchgenommen, die Personenkonstellation und Motivation der Figuren besprochen. Darauf aufbauend konnten wir gestern zum ersten Mal “stellen”. Das bedeutet, die Szene auf der Bühne zu probieren und vor allem die Auf- und Abgänge zu klären, und damit die entscheidende Frage “Wo bin ich?”

Schön war, dass einige von uns den Text schon auswendig konnten. Denn ohne Textbuch in der Hand ist man viel freier und kann sich auf die anderen Dinge konzentrieren. Als sehr guter Schauspieler würde man sich noch vorher selbst Gedanken zur Szene machen und Angebote machen. Ein Angebot ist eine möglichst schlüssige Interpretation der Szene und Rolle. Ob das dann insgesamt passt, muss natürlich die Regisseurin entscheiden. Aber zumindest ist dann schon mal etwas da. Und die Probe macht dann auch mehr Spass, wird ein Dialog über die Interpretation und Figurenkonstellation anstatt die rein technische Erläuterung des Ablaufs. Man hat es selbst in der Hand.

Als Telegin habe ich mich auf diese Szene natürlich vorbereitet. Den Text kann ich schon ganz gut und konnte auch schon an den Emotionen arbeiten. Die Regieanweisung an einer Stelle war, dass Telegin mit weinerlicher Stimme spricht. Er wird daran erinnert, dass seine Frau ihn wegen eines anderen verlassen hat. Das ist eine starke Emotion, die ich mit Hilfe einer sensorischen Erinnerung erarbeitete. Ich wählte eine persönliche Erinnerung, die vom emotionalen Gehalt ähnlich ist. Ich sehe in diesem Moment auf der Bühne die Bilder und höre die Klänge. Es läuft da quasi ein Film in mir ab, der mich in diese Stimmung bringt. Und dann muss ich gar nicht viel machen, meine Stimme klingt automatisch anders, Mimik und Gestik passen sich ebenso an. Es ist sicherlich noch ausbaufähig, aber der Grundstein ist gelegt.