Was mich bewegt (Rainer Maria Rilke)

Man muss den Dingen

Die eigene, stille,

ungestörte Entwicklung lassen,

die tief von innen kommt,

und durch nichts gedrängt

oder beschleunigt werden kann;

alles ist austragen –

und dann

Gebären…

Reifen wie der Baum, der seine Säfte nicht drängt

und getrost in den Stürmen

des Frühlings steht,

ohne Angst,

dass dahinter kein Sommer

kommen könnte.

Er kommt doch!

Aber er kommt nur zu den Geduldigen,

die da sind,

als ob die Ewigkeit vor ihnen läge,

so sorglos still und weit…

Man muss Geduld haben,

gegen das Ungelöste im Herzen,

und versuchen, die Fragen selber lieb zu haben,

wie verschlossene Stuben,

und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache

geschrieben sind.

Es handelt sich darum, alles zu leben.

Wenn man die Frage lebt,

lebt man vielleicht allmählich,

ohne es zu merken,

eines fremden Tages

in die Antwort hinein.

Der Dank für dieses inspirierende Gedicht geht an Marco. Man kann es auch sehr gut auf das Schauspiel beziehen, beim Method Acting kommt es unter anderem auch darauf an, aus einem Zustand der inneren Entspannung zu agieren. Das Überspielen ist das Hauptproblem aller Schauspieler, besonders der jungen. Und so erinnert mich vor allem die erste Strophe an die als Schauspieler – aber natürlich auch als Mensch – anzustrebende Grundgelassenheit.