Max Frisch – Don Juan oder Die Liebe zur Geometrie

Das Theaterkanton Zürich ist ein Wandertheater, das mit seinen Produktionen überall im Kanton auftritt. Mit einigen Freunden vom Theater erlebte ich in Winterthur die Inszenierung von Max Frischs Don Juan oder Die Liebe zur Geometrie. Es war ein wundervoller Abend mit einer absolut gelungenen Inszenierung. Es war einfallsreich, witzig, tragisch, authentisch, distanziert, pathetisch, menschlich, grandios.

Das Stück ist dabei dramaturgisch gar nicht so leicht zu packen. Don Juan ist bei Frisch ein unfreiwilliger Verführer, der sich lieber mit Geometrie beschäftigt. Und so wandert er in dieser einen Nacht von Raum zu Raum, von Frau zu Frau, lässt auch die Frau seines einzigen Freundes nicht aus und hinterlässt auch noch lauter Leichen. Die Wandlung vom lächelnden, geometrisch begabten Träumer zum Verführer und Mörder geschieht sehr spontan in den ersten drei Akten. Danach wird die selbst inszenierte Höllenfahrt des inzwischen älteren Don Juan gezeigt, am Ende sieht man ihn als eingesperrten Ehemann, der die Launen seiner Frau ertragen muss.

So witzig die Idee ist, den Don Juan mal ganz anders zu interpretieren, so schwierig ist das Durchhalten dieser Linie und das Finden von Konflikten in dieser Konstellation. Denn Don Juan offenbart sehr wenig Todesangst und auch die Liebe bedeutet ihm wenig. Es steht also wenig auf dem Spiel, außer dem Bankrott seines Haushalts.

Aber so niederdramatisch die Vorlage, so ideenreich und gelungen die Umsetzung. So schön kann Theater sein, störend einzig die Motorradfahrer und das Gejohle von Fußball-Fans.