Regie

Auf zu neuen Herausforderungen – ich werde Regie führen. Um nicht völlig ahnungslos vor erwartungsvollen Schauspielern zu stehen, werde ich mich autodidaktisch vorbereiten. Meine Leseliste umfasst momentan

  • Die Odyssee des Drehbuchschreibers (Christopher Vogler)
  • Dramatisches Schreiben (Lajos Egri)
  • Lektionen 1: Dramaturgie (Bernd Stegemann)
  • Lektionen 2: Regie (Nicole Grönemeyer, Bernd Stegemann)

Für weitere Literaturempfehlungen bin ich offen.

Spannend ist für mich die Frage nach dem Ganzen, nach dem roten Faden für eine Szene und auch für ein ganzes Stück. Als Schauspieler erlebe ich den Moment mit seiner Bedeutung und Spannung, als Regisseur muss ich in größeren Einheiten denken. Ein schöner Vergleich ist der mit einem Orchester, wo die Instrumentalisten jeweils ihre Noten vor sich haben. Sie haben sie vermutlich vorher schon geübt, beherrschen ihre Stimme. Doch erst im Zusammenspiel mit allen anderen Musikern entsteht das Ganze. Genau wie beim Theater ist es eine Interpretation eines bestehenden Stoffes. Und jeder Dirigent wird aus den haargenau gleichen Noten etwas anderes entstehen lassen. Je nach den klanglichen Fähigkeiten, der Tradition seines Hauses und seiner persönlichen Vision.

Eine weitere Analogie ist Programmieren – die Nichttechniker unter euch werden mich verdammen. Das Denken auf verschiedenen Abstraktionsebenen ist die große Herausforderung des Programmierers. Ein Bildbearbeitungsprogramm arbeitet mit einzelnen Pixeln, kann aber auch Bildbereiche, ganze Bilder oder Sammlungen von Bildern verändern. Auf jeder Ebene muss ein abgeschlossenes Ganzes entstehen, damit die übergeordnete Ebene ebenfalls funktioniert. Anders als beim Orchester gibt es kein vorgegebenes Werk, sondern lediglich eine übergeordnete Aufgabe mit teilweise widersprüchlichen Anforderungen. Und am Ende wird das Ergebnis sogar nach ästhetischen Gesichtspunkten beurteilt, der Nutzer sieht ja nicht die tausend Funktionsaufrufe sondern nur das Ergebnis als grafisch aufbereitetes Etwas.

Ich werde mich auf eine spannende Reise begeben, mich durch den Dschungel des Bestehenden kämpfen, Verbündete, Ratgeber, Zweifler treffen, um dann schließlich diesen Moment der Premiere zu erleben, zufrieden lächelnd oder kurz vor einem Nervenzusammenbruch.