Robert Gernhardt – Toscana-​​Therapie

Karin mag Yoga

Gerhard mag Campari

Eskalation beim Abendessen

Silvia verführt Gerhard

Das Stück selbst orientiert sich im Aufbau am Regeldrama. Zu Beginn werden Karin und Gerhard als leicht verstaubtes Akademikerpaar eingeführt, sie genießen die Ferien im toskanischen Landhaus ihres Freundes Dieter. Als gemeinsames Problem existieren zu diesem Zeitpunkt nur der defekte Durchlauferhitzer und Mäusedreck. Ein Anruf von Dieter dient als Katastase (erregender Moment), er kündigt seinen Besuch für das Wochenende an. Da Karin und Gerhard eigentlich keine Gäste haben dürfen, sich aber bereits der amerikanische Schriftsteller Viktor einquartiert hat, ist der Konflikt klar definiert. Beim Frühstück versuchen beide erfolglos, Viktor auf das Thema Abreise anzusprechen, sie finden keine klaren Worte. Später kommen mit Lisa und Silvia weitere Gäste, die sich ebenfalls frech zum Abendessen und Übernachten einquartieren. Dies entspricht der Komplikation (Steigerung). Die beiden reagieren zunehmend genervt, in dieser für beide schwierigen Situation offenbaren sich schwerwiegende Beziehungsstörungen. Höhepunkt ist das Abendessen, als beide ausrasten und die Atmosphäre eisig kalt wird. Danach kommt es zum offenen Bruch, als Karin Viktor ins Haus folgt, um ihn ins Bett zu bringen und Gerhard sich von Silvia verführen lässt. Die Katastrophe ist dann am nächsten Morgen zu begutachten, als beide sich nur noch hasserfüllt anschreien und schließlich Dieter erscheint. Gernhardt verwendet hier das Stilmittel Deus ex machina, Dieter ist somit eine göttliche Erscheinung, die den Konflikt auflöst. Alles war geplant und als Paartherapie gedacht, damit die beiden endlich lernen, klare Worte zu finden. In der allerletzten Szene finden die beiden wieder langsam zueinander.

Ende gut, alles gut – Karin und Gerhard glücklich vereint, aber mit skeptischem Blick

Schauspielerisch verlangt dieses Stück von mir als Gerhard eine ganze Menge. Grundsätzlich ist Gerhard nicht so weit entfernt von mir, Wortspielchen mag ich auch und eine leicht zynische Ader habe ich auch. Aber die Charakter-Entwicklung ist dann im Laufe des Stücks beträchtlich, zunehmend genervt zu sein ist echt anstrengend. Und wutentbrannt auszurasten liegt gar nicht in meinem Naturell, das fällt mir dann entsprechend schwer. Dazu kamen die Verführungsszenen mit Silvia, in welchen Gerhard eine große innere Spannung spürt. Einerseits findet er sie schon attraktiv, andererseits wäre es ein riesiger Tabubruch in Fast-Anwesenheit seiner Frau. Somit gilt es, eine zunehmende, latente innere Spannung darzustellen, damit am Ende glaubhaft die Dämme brechen. Ich fürchte, so richtig authentisch gelingt mir das nicht, es war zu wenig Zeit und wir waren zu stark mit anderen Dingen beschäftigt. Anstrengend ist auch die ständige Bühnenpräsenz. Ich kann nicht hinter der Bühne schnell schauen, was als nächstes kommt, alle Umbauten und Szenenwechsel müssen sitzen.

Lasst euch die letzten Aufführungen nicht entgehen, wir spielen am 25. Mai und 1. Juni um 20:00 im GZ Buchegg und am 28. Mai um 22:30 in Aarau bei den Theatertagen.