halbToscanaKontaktTherapie

Ich bin Mathias und spiele momentan in zwei Theaterproduktionen, halbkontakt und Toscana-Therapie. Ich bin also neben Mathias auch Andreas und Gerhard und so langsam verliere ich den Überblick.

In halbkontakt bin ich Andreas, leite eine Bibliothek und bin verheiratet mit Marion. Unsere Ehe ist nicht mehr ganz so frisch, da Marion großen Wert auf ihren Mitternachtsschlaf legt. Ich (also Andreas) bin da anders, für Molly, die attraktive Jugendfreundin von Marion, verzichte ich auch mal auf meinen Mitternachtsschlaf. Also nur einmal, ist doch nicht so wild. Und wenn ihr Molly sehen würdet, könntet ihr mich verstehen. Ich bin doch auch nur ein Mann. Marion muss davon nichts wissen, vielleicht bringt das sogar neuen Schwung in unsere Ehe.

molly (halbkontakt)

Molly (vorn) und Marion (hinten), Probenfoto halbkontakt

In der Toscana-Therapie bin ich Gerhard, ein intellektueller Mittdreißiger, akademischer Rat. Ich bin verheiratet mit Karin, einer Grafikerin. Wir harmonieren perfekt, ich bin ein Meister des Wortes und das Visuelle ist ihre Domäne. Wir mögen beide Wortspiele, ich sorge bei Karin immer wieder mit ausgefallenen Assoziationen für Heiterkeit.

GERHARD Sag mal einen Satz mit “Wogegen“. (Karin schweigt.) Mir tut der Kopf weh, weil ich wo gegen gerannt bin. Das ist witzig. Sehr witzig.

Obwohl, in letzter Zeit verhält sich Karin ein bisschen seltsam. Sie lacht nicht mehr über meine geistreichen Wortspiele und hat diesen unmöglichen Victor eingeladen. Obwohl sie genau weiß, dass wir keine Gäste haben sollen, die Dieter nicht kennt. Dabei wollten wir es uns doch zu zweit in Dieters Toscana-Haus gutgehen lassen, wie in alten Zeiten, als wir die Zikadenklänge genossen.

GERHARD Sie singen! Singen das uralte Lied von Sonne, Sommer, Süden. Karin! Was ist dir? Wir haben ihn doch immer geliebt, den Gesang der Zikaden! Erinnere dich! Als wir zelteten damals, im Klostervorhof von Santa Firmine, inmitten der Pinien – warteten wir da nicht geradezu auf die Zikaden?

Ich habe da eine Mitarbeiterin, Anja Fels. Wir verstehen uns bestens, ich bin ja schließlich auch ein guter Chef. Habe extra Führungstrainings besucht damals, Gesprächsführung, Deeskalation und Projektmanagement. Ich kann das. Und Anja macht ihre Sache gut, ist zuverlässig und kompetent, ein bisschen unauffällig. Sie hat nicht so diesen Drive, aber sie ist ja auch keine Führungskraft. Wird ihr Leben lang Bücher sortieren. Aber he – das ist ihre Entscheidung.

anja & marion (halbkontakt)

Marion (links) und Anja (rechts), Probenfoto halbkontakt

MARION Sie bat mich um Hilfe.

ANDREAS Um Hilfe? Wieso?

MARION Sie sagt, dass du ihr hinterherstellst.

ANDREAS Ich?

MARION Offenbar gibt es einen Typen in der Bibliothek, der ihr perverse Nachrichten schickt. Und Nachts stöhnt ihr einer ins Telefon. Sie meint, du seist der Täter.

ANDREAS Warum ich?

MARION Weil du der einzige Mann im Betrieb bist. Und? Bist du der Täter?

ANDREAS Nein. Natürlich nicht.

MARION Gut. Dann wäre das ja erledigt.

ANDREAS Halthalthalt. Ich versteh nicht, warum Anja dich und nicht mich… Ich bin der Chef, ich muss das Problem doch lösen.

Also langsam wird mir das schon ein bisschen viel. Erst nistet sich dieser Victor hier ein, jetzt sind plötzlich noch zwei Bekannte von Dieter aufgetaucht, die unbedingt ein Foto hier machen müssen. Lisa heißt die eine, völlig fixiert und will unbedingt einen Zementsack mitten im Bild platzieren. Ihre Begleiterin Silvia ist da schon netter, so spontan und offen, da könnte sich Karin noch eine Scheibe abschneiden.

Marion ist schon ein bisschen verklemmt. Also in sexueller Hinsicht. Ich will ja nichts wirklich Ausgefallenes. Aber man muss doch mal was ausprobieren können, ich merke dann schon, wenn ich zu weit gehe. Manchmal packt es mich einfach, dann will ich schon ein bisschen experimentieren, sie kann ja jederzeit sagen, wenn’s ihr nicht mehr passt. Einmal bin ich echt zu weit gegangen, in Sevilla. Aber he, wir haben darüber geredet und jetzt ist alles wieder in Butter. Molly ist da schon eher der Typ Frau, der offen ist für gewisse Praktiken. Die fängt nicht an zu heulen, wenn’s mal heftiger wird.

toscana-therapie

Silvia (links), Gerhard, Karin, Toscana-Therapie

Ich hätte nicht so viel Weißwein trinken sollen. Jetzt sitzt diese Silvia neben mir und mir wird ganz anders. Ich sollte diese Nähe nicht zulassen, intellektuell ist sie mir ohnehin nicht gewachsen, nichtmal den Dampfer-unter-der-Brücke-Witz hat sie verstanden. Aber sie verfügt schon über eine beachtliche äußere Attraktivität, und wenn Karin sich jetzt wirklich mit Victor im Bett tummelt, warum soll ich dann nicht auch, sie kommt mir immer näher, was soll ich nur tun?

Der Orcio in Scherben, Anja fristlos entlassen, Dieter naht, Marion ausgezogen, ich hasse Karin, Molly war’s, Fanfarenklänge, Versöhnung, Wahnsinn, Vorhang.