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Der perfekte Abend, zehn Minuten für die Ewigkeit beim Bösen Montag.

Ausverkauftes Hechtplatztheater, 250 Leute haben Geld ausgegeben, um unterhalten zu werden. Wir stehen hinter dem Seitenvorhang, die letzten Sekunden ticken herunter. Es ist dieser intensive Moment, wo alles unklar ist, das Publikum darf uns auch von der Bühne jagen, so will es das Konzept. Und sie haben von diesem Recht bereits Gebrauch gemacht, der Mann mit der Lesung wirkte etwas geschafft nach seinem Auftritt. Lautes Fußtrampeln hatte ihm einiges abverlangt. Das könnte uns auch blühen. So kurz vor dem Auftritt verengt sich der Fokus und mein Herz schlägt schneller, Ungewissheit, Konzentration, wir haben vorher noch umgestellt, die Unterhosenszene kommt zuerst. Wir brauchen einfach eine emotionale Szene am Anfang, die zweite Szene ist ruhiger und geht ein paar Minuten. Das wäre kein guter Einstieg.

flyer halbkontakt

Flyer unserer Produktion

Ich stehe also da, nur in Unterhosen und Socken. Es war so eine Idee unseres Regisseurs, die uns garantiert einen Lacher einbringt. Keiner soll behaupten, Schauspieler hätten es leicht. Die Bereitschaft, wenn nicht gar der Drang zur Peinlichkeit sind eine wesentliche Voraussetzung für diese darstellende Kunst. Es ist soweit, Molly geht voran, bringt ihre Kleider in Ordnung, macht sich bereit zum Gehen. Ich folge ihr, spüre das gleißende Licht und die Aufmerksamkeit der Leute, sie lachen laut auf. Es funktioniert, sie sind gebannt und bei uns. Und ich genieße es, alle schauen auf uns, wir spielen sie Szene, ich versuche Molly zum Bleiben zu bewegen, umarme sie zärtlich, sie geht schließlich doch. Ich bleibe enttäuscht zurück und verlasse langsam die Bühne. Ich spüre die Aufmerksamkeit, das Mitleid, wir haben Emotionen erschaffen in all den Köpfen da unten im Publikum.

Es ist diese Intensität, es sind diese kurzen rauschhaften Momente, die Theater so speziell machen. Ich brauche keine Drogen, solange ich ab und an diese Momente erleben darf. Denn es klappt nicht immer, der letzte Künstler scheitert grandios mit seiner Darbietung von Frank Sinatras My Way. Der Interviewer tritt dann auch kräftig nach und fragt ihn, wie er in seinem jungen Alter auf diese Schnapsidee gekommen sei. Aber durch diesen kurzen Blick in den Abgrund können wir uns um so glücklicher schätzen, dass wir mehr Glück beim Publikum hatten.

Wir spielen am 23. und 24. März in Uster und am 26. März im Cafe Rorboz. Details findet ihr unter Kulturpunkt8424.