halbkontakt@ErzählnachtEglisau

Eglisau ist eine kleine Stadt am Rhein im Norden von Zürich. Und da wir im März ganz in der Nähe eine Aufführung planen (Cafe Rorboz in Rorbas), nutzten wir die Gelegenheit, mit drei kurzen Szenen unserer aktuellen Produktion an der Erzählnacht teilzunehmen. Diese findet einmal pro Jahr statt, ungefähr ein Dutzend Teilnehmer lesen oder erzählen etwas, in zehn Minuten. Mit unserem Theaterstück fielen wir da schon etwas aus dem Rahmen, mit unserem Hochdeutsch sowieso. Aber zumindest die jüngeren Zuschauer fanden es toll, einige wollten sogar in Rorbas vorbei kommen.

Die Beiträge waren recht verschieden, aber es waren doch einige Hobby-Autoren mit Auszügen aus ihren Werken da. Den Beginn machte Ursula Fehr, die Gemeindepräsidentin und Mitglied der SVP. Wir alle durften uns glücklich schätzen, dass sie nicht am Albisgüetli zur Tagung ihrer Partei war. Ihr Mann Hans Fehr war dort Opfer einer Gewalttat geworden, linksautonome Demonstranten hatten ihn zusammengeschlagen. So tragisch dieses Ereignis war, so unangemessen ist dessen Platzierung in einer kulturellen Veranstaltung. Die literarische Qualität ihrer selbst verfassten Geschichte war nicht überzeugend, diese hatte sie als ironische Beschäftigung mit der Politik angekündigt. Aber sie verlor sich bei der selbstgefälligen Beschreibung eines Konflikts um den Bau eines Einkaufszentrums in den Gängen eines Baumarkts.

Bei den weiteren Darstellern überzeugte eine alte Dame mit der plastischen Beschreibung eines Häkelnadelunfalls beim Kippeln. Mich selbst beeindruckte noch die Erinnerung an eine “Frau Holle”-Theaterproduktion, welche die Erzählerin im zarten Alter von sieben Jahren als permanenten Ausnahmezustand erlebt hatte. Den Sog des Theaters kann man nicht besser beschreiben, das Drama der Antagonistin Pech-Marie, deren Vater sich nirgends mehr sehen lassen konnte, die Einbeziehung des gesamten Dorfes bei Orchesterproben, Kostümkreation und Bühnenbild, der große Erfolg der Aufführung mit Unterstützung eines Kinderhilfswerkes – Theater bewegt.

flyer halbkontakt

Flyervorderseite unserer Produktion

Nach der Pause begann uns dann so langsam die Nervosität zu packen, ich musste einfach aufstehen und gemeinsam gingen wir raus in die kalte Januarnacht und wärmten uns ein wenig auf. Wir mussten uns ja an die Bühnensituation anpassen, letzte Details mit Auf- und Abgängen festlegen und auch einfach etwas tun. Vor uns trat eine Frau mit wunderbaren selbstgebastelten Figuren auf, die Geschichte eines Apfelbaums gestaltete sich als wahre Requisitenschlacht. Dann waren wir dran, bauten um, und es ging los. Das Publikum war gebannt und applaudierte großzügig. Wir waren schon ein Kontrastprogramm. Aber so konnten wir zum ersten Mal in dieser Formation vor Publikum spielen.

Am 31. Januar steht uns dann beim Bösen Montag im Theater am Hechtplatz ein ähnlicher Auftritt bevor. Auch zehn Minuten, aber da kann das Publikum ihm nicht genehme Künstler vorzeitig von der Bühne schicken. Hoffentlich müssen wir so eine Schlappe nicht einstecken.