Loblied auf meine Tastatur

Ein jeder Handwerker pflegt sein Werkzeug. Der steinzeitliche Jäger spitzte seinen Speer, der Töpfer achtet darauf, dass sich keine Risse im Brennofen bilden und der Koch ist stets auf die Schärfe seiner Messer und um den guten Zustand seiner Töpfe besorgt. Ich bin Texthandwerker.

Ich schreibe Berichte und Code, manchmal auch Prosa. Mein wichtigstes Werkzeug ist die Tastatur. Denn Rechner sind austauschbar, Bildschirme sowieso. Und momentan komme ich mit quelloffenen Programmen aus, die sich auf beliebigen Rechnern und Betriebssystemen installieren lassen. Um so wichtiger ist die Tastatur. Millionen Zeichen habe ich getippt in meinem Leben, ich habe sie nicht gezählt. In meinem Kopf bildete sich ein Gedanke, mein Gehirn übersetzt ihn in einen Teilsatz, bildet Wörter, leitet daraus Buchstaben ab und die vielen kleinen Fingerbewegungen laufen parallel dazu ab, die Tastatur klackert vor sich hin, Tastendrücke werden zu Signalen, die im Rechner verarbeitet werden und sofort am Bildschirm als Zeichen dargestellt werden. Faszinierend, wie schnell das geht und wie automatisiert. Millionenfach bewährt, das Ergebnis sind Schulaufsätze, Berichte während des Studiums, Diplomarbeit, wissenschaftliche Publikationen, die Dissertationsschrift, dieses Weblog, tausende Zeilen Code – die Spitze eines Zeichen-Eisberges. Denn erst durch Schreiben werden Ideen manifest und anderen mitteilbar. Wir leben im Zeitalter der Konzepte, die immer wieder neu erdacht, präsentiert, verändert und verworfen werden, nur ein kleiner Teil wird umgesetzt.

Programmieren ist letztendlich ähnlich, nur dass die Sprache eingeschränkt ist. Jede Programmiersprache hat ihren eigenen Satz von Befehlen, den man mühsam lernen muss. Aber sobald man größere Projekte umsetzt, beginnt ein schreiberischer Prozess, denn Klassen und Funktionen müssen benannt werden. Man ist völlig frei dabei und es entsteht ein Programm, also ein sprachlich definiertes Universum aus selbsterdachten Bezeichnungen. Und ähnlich wie ein guter Text muss auch guter Code fokussiert und klar sein. Das Gegenstück zum endlosen Absatz ist eine endlose Funktion oder historisch gewachsene Klasse, die man nicht mehr überblickt. Absätze unterteilen gedankliche Einheiten, genau so wie Funktionen und Klassen dies beim Programmieren tun.

Ergonomische Tastatur

Zwei Tasten fehlen noch zur Vollendung, das V und Links

Und deshalb bin ich froh, eine wunderbare ergonomische Tastatur zu benutzen, die meine Hände schont. Sie ist ganz und gar darauf ausgelegt, meinen Händen die Tipparbeit zu erleichtern. Für Außenstehende mutet ihr Anblick allerdings befremdlich an, zugunsten der Ergonomie haben die Hersteller die Tasten in zwei Kuhlen angeordnet und einige Tasten in die Mitte der Tastatur versetzt, damit die Daumen stärker gefordert werden. Denn sonst ist es dem armen kleinen Finger vorbehalten, sich bei jedem Enter mit einer Verrenkung nach rechts zu spreizen, während die Daumen als Muskelprotze der Finger lediglich beim Leerzeichen zum Einsatz kommen.

Und gestern habe ich diese Tastatur liebevoll auseinander genommen, die verschwitzten Handballenpolster entfernt und alles gründlich gereinigt. Eine schöne Aufgabe, jetzt glänzt sie wieder fast wie zu Beginn und lädt wieder ein zum Tippen.