Anton Tschechow – Onkel Wanja

Gestern lasen wir ein weiteres Meisterwerk mit verteilten Rollen – Onkel Wanja von Anton Tschechow. Das Stück entstand 1901 und ich finde es extrem faszinierend, wie aktuell es heute noch ist. Die Ankunft des Professors mit seiner jungen hübschen Frau auf einem Landsitz bringt das Leben dort durcheinander, Konflikte brechen auf und unerfüllte Sehnsüchte kommen zum Vorschein.

Der charismatische, aber desillusionierte Arzt Astrow ist ein Grüner durch und durch, leicht könnte man sich ihn bei einer Anti-AKW-Demo vorstellen.

Astrow

… Aber wozu die Wälder zerstören? Die russischen Wälder kommen allesamt unter die Axt, Milliarden von Bäumen sterben, Tiere und Vögel verlieren ihr Zuhause, Flüsse trocknen aus, die schönsten Landschaften werden vernichtet. Und warum? Weil der Mensch zu faul ist, um sich zu bücken und den Heizstoff vom Boden aufzuheben.

Auch die anderen Charaktere sind spannend. Der spleenige alte Professor Alexander Serebrjaków, der verdrießliche, misslaunige Iwán Petrówitsch Wojnízkij, die gute Sonja, die langweilige aber bildhübsche Jeléna Andréjewna – sie alle sehe ich verkörpert von den Leuten gestern, mit Leben erfüllt. Sehr gern würde ich dieses Stück mal auf der Bühne sehen und noch lieber würde ich es auf die Bühne bringen wollen.