Aufbaukurs Stanislawski-Strasberg, 1. Lektion

Es geht ohne Verzug weiter, nach sechs Lektionen Grundkurs schließt sich jetzt nahtlos der Aufbaukurs des Zentrums für Entwicklung im Schauspiel an. Es begann wie immer mit den bekannten Elementen Aufwärmen und Sinneserinnerung. Dann arbeiteten wir mit einem Text, mit Hilfe von verschiedenen Lesetechniken näherten wir uns einer Szene.

Aufwärmen, Sinneserinnerung

Wie immer begannen wir mit dem körperlichen Aufwärmen und der Sinneserinnerung. Das Wiedererleben der Juckreiz-Übung gelang mir, wobei ich tatsächlich wieder Juckreiz verspürte, an den gleichen und auch ganz neuen Stellen wie beim ursprünglichen Üben. So ganz habe ich es aber wohl noch nicht gemeistert, es sollte am Ende am ganzen Körper jucken.

Textarbeit

Das Stück, mit dem wir uns den ganzen Aufbaukurs beschäftigen werden, ist ein zeitgenössisches Stück mit drei Rollen. Mein erster Eindruck beim Lesen war, dass alle drei ein wenig durchgeknallt sind, halt diese typischen modernen, wurzellosen, sich selbst zerfleischenden, liebesunfähigen Charaktere. Sie reden in kurzen Sätzen und oft aneinander vorbei. Und es geht um Organspende, Tod, Liebe, Sex, Schuld, Entfremdung, Verantwortung und Sehnsucht. Der Bogen ist also weit gespannt und man kann aus diesem Text viel machen.

Vera und Mia sind Schwestern, ihre Mutter ist durch einen Autounfall ein Pflegefall und geht ihnen daheim auf die Nerven. Sie braucht eine Spenderniere, sonst wird sie bald sterben. Der Autofahrer, der sie anfuhr, beging Fahrerflucht. Mia irrt durch den Bahnhof und starrt alle Passanten an, um den Schuldigen zu finden. Sie begegnet Achim, den ihr Schicksal rührt und der ihr helfen will, natürlich nicht ganz uneigennützig. Er besorgt im Ausland eine Spenderniere, aber ein Happy-End ist bei dieser Art Stück natürlich nicht drin.

Interessant war die Herangehensweise an den Text. Wir teilten uns in Zweiergruppen auf und lasen den Text zuerst mit verteilten Rollen. Danach, beim analytischen Lesen, ließen wir uns bei jedem Satz soviel Zeit, ihn und seinen Subtext zu verstehen, dann sprachen wir unser Gegenüber direkt an. Als dritte Variante wiederholten wir jeden Satz so lange, bis wir mit dem Ergebnis zufrieden waren. Auf diese Art konnten wir den Text wesentlich tiefer verstehen als bei einer reinen Lesung mit verteilten Rollen.

Hausaufgaben

  1. Extreme Kälte
  2. Rollenprofil Achim, prägende Erlebnisse