Grundkurs Stanislawski-Strasberg, 3. Lektion

Aufwärmen

In nunmehr fast schon gewohnter Manier gingen wir an die Vorbereitung, mit körperlicher Aufwärmung, Zazen-Meditation und Sinneserinnerung. Aber es fiel mir nie so schwer wie heute. Zum einen war ich erkältet, was mein Körpergefühl stark veränderte und meine Konzentrationsfähigkeit beeinträchtigte. Mein Kopf fühlte sich verspannt und schwer an, das ging auch durch die Aufwärmung nicht weg. Und außerdem konnten es zwei Teilnehmer nicht lassen, unentwegt zu lachen. Sie waren direkt neben mir, immer wieder brach ein Lachen hervor. Es nahm kein Ende und zehrte an meinen erkältungsgeschwächten Nerven. In der Nacht zuvor war Vollmond gewesen, vielleicht lag es auch daran.

Auf jeden Fall waren die ernsthaft sich Aufwärmenden in der Minderzahl, die drei neuen Leute zähle ich mal nicht mit, da sie sich noch nicht so recht trauten, akustisch mitzumachen. Das war auch so eine Sache, neue Gesichter in der Runde, was für die auf Außenstehende etwas befremdlich anmutende Aufwärmroutine nicht so optimal ist.

Zazen und Sinneserinnerung liegen gut bei mir, wobei ich durch die Erkältung zwar weniger konzentriert aber dafür auch weniger ablenkbar war.

Einzelszene

Die Vorbereitung einer Szene war Hausaufgabe gewesen. Meine Idee hatte ich im Weblog veröffentlicht (Eintrag vom 29. März), wodurch ich zwei hilfreiche Feedbacks erhalten hatte. Damit konnte ich die Szene noch verbessern und war gut vorbereitet. Dennoch, an einigen Stellen hatte ich mir wenig Gedanken gemacht und musste mehr oder weniger improvisieren.

Meine Anfangsemotion war Wut auf Unordnung. Da konnte ich mich recht einfach hineinbegeben, ich führte ein imaginäres Gespräch mit meinem fiktiven liederlichen Mitbewohner und stellte mir bildhaft schimmelnde Kochüberbleibsel vor. So geladen konnte der Auftritt beginnen. Ich begann meine Schimpftirade, riss die Tür auf, schickte die unmissverständliche Aufforderung hinterher, doch endlich mal die Küche aufzuräumen, und betrat den Raum. In dessen Mitte stand eine Matratze und ein Stuhl, mehr brauchte ich nicht. Ich ging zum Stuhl. An dieser Stelle hatte ich mir nicht groß vorher überlegt, warum. Jedenfalls rückte ich den Stuhl zurecht, richtete ihn millimetergenau rechtwinklig aus. Der Pedant sollte deutlich werden. Dann ging ich raus, wieder auf meinen fiktiven Mitbewohner schimpfend, warum er denn meinen Stuhl verrückt habe. In der Zwischenzeit hatte ein Gehilfe den Stuhl wieder etwas verrückt. Somit fand ich bei meiner Rückkehr den Stuhl wieder im absoluten Chaos vor. Vor Schreck ließ ich den Metallbecher fallen und begann, an meinem Verstand zu zweifeln. Nach einer Weile ging ich dann raus, mit ein paar Worten der Entschuldigung an meinen fiktiven Mitbewohner.

Das Feedback war überwiegend positiv, ich hatte den Raum gut genutzt und den Stuhl hervorragend eingesetzt, um meinen Charakter zu illustrieren. Mein fiktiver Mitbewohner war vielleicht nicht ganz realistisch, aber meine eigenen Emotionen ihm gegenüber kamen gut zum Ausdruck. Negativ war die Darstellung der Überraschung, das kam wohl nicht ganz authentisch rüber. Ist auch schwierig, das darzustellen, ich wusste ja schon, was passiert.

Hausaufgaben

drei Materialien/Gegenstände mit allen Sinnen in privater Atmosphäre entdecken

DVD “Book über Brook” schauen